Anteilseigner einigen sich

RAG-Börsengang nimmt Konturen an

Der für das kommende Jahr angestrebte Börsengang des Essener Bergbau- und Chemiekonzerns RAG nimmt immer konkretere Formen an. Die wesentlichen Aktionäre E.ON, RWE und ThyssenKrupp einigten sich bereits, ihre Anteile dabei für einen Nennwert von jeweils einen Euro abzugeben.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Bottrop (ddp-nrw/sm) - Das teilte der Vorstandsvorsitzende Werner Müller am Freitag in Bottrop auf einer Betriebsrätekonferenz mit. Zudem legte nun angeblich auch die Bundesregierung ihre Position dazu fest, wie die "Süddeutsche Zeitung" (Samstagausgabe) berichtet.

Die Einigung sei ein "schwieriger Prozess" gewesen, da die RAG unter anderem über ihre Tochter Steag auch zu einem Wettbewerber im Strommarkt werde, erläuterte Müller. Noch keine Verständigung gebe es dagegen mit dem Stahlkonzern Arcelor, der sechs Prozent der RAG-Aktien hält. Insgesamt sei der Konzern aber auf einem guten Weg, erklärte der Vorstandsvorsitzende. Die Vorbereitungen liefen. Derzeit suche ein Team bereits einen neuen Unternehmensnamen. Mit Hilfe des Börsengangs werde ein DAX-Konzern im Ruhrgebiet geschaffen, der dort auch seine Beschäftigten habe.

Müller plädierte in diesem Zusammenhang noch einmal für das "Stiftungsmodell". Danach soll lediglich der so genannte "weiße Bereich" der heutigen RAG, also die Industrieaktivitäten Degussa, Steag und die Immobilien, an die Börse gebracht werden. Der Steinkohlebergbau soll dagegen künftig von einer Stiftung verwaltet werden, die auch Anteile an dem börsennotierten Unternehmen halten wird. Der "weiße Bereich" erwirtschaftet nach Angaben von Müller mittlerweile Gewinne, die über den Kapitalkosten liegen.

Der Vorstandsvorsitzende sagte vor den Betriebsräten, der geplante Börsengang werde nicht zu Lasten der Bergleute organisiert. Vielmehr erhalte auch der Steinkohlebergbau durch die Kapitalmarktpläne eine größere Sicherheit. Müller kritisierte in diesem Zusammenhang die politische Diskussion um die Haftung von Bergbau-Altlasten. Die Haftung sei klar geregelt, die RAG bilde hierfür seit Jahren Rückstellungen. Die Diskussion sei unverständlich, weil alle Zahlen hierzu bekannt seien.

Unterdessen wurde unter Federführung von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) auch die Position des Bundes für den Börsengang formuliert, wie die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf das ihr vorliegende Eckpunkte-Papier berichtet. Das Ministerium strebe danach ebenfalls die Gründung einer Stiftung als neue Eigentümerin des Essener Konzerns an. Als Voraussetzung für den Börsengang wird eine Einigung über die Höhe der Kohlehilfen ab dem neuen Rechnungsjahr 2009 genannt. Angestrebt werde ein Börsengang für das zweite Quartal 2007.

Von Ralf Beunink