Kokerei in Planung

RAG bekennt sich zur Steinkohleförderung

Bei einem Treffen vor rund 500 Betriebsräten der Deutschen Steinkohle AG (DSK) in Castrop-Rauxel hat sich RAG-Chef Werner Müller zu der Steinkohleförderung als "integralen Bestandteil" der Unternehmensgruppe bekannt. Zugleich kündigte Müller den Bau einer neuen Kokerei in Nordrhein-Westfalen an.

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Castrop-Rauxel (ddp-nrw) - Der Essener Energie- und Chemiekonzern RAG hat sich zu der Steinkohleförderung als "integralen Bestandteil" der Unternehmensgruppe bekannt. Zugleich kündigte RAG-Vorstandsvorsitzender Werner Müller den Bau einer neuen Kokerei in Nordrhein-Westfalen an. Nach einem Gespräch mit dem Vorstand von ThyssenKrupp habe man die Errichtung einer entsprechenden Industrieanlage beschlossen, sagte Müller am Donnerstag bei einem Treffen vor rund 500 Betriebsräten der Deutschen Steinkohle AG (DSK) in Castrop-Rauxel. Derzeit sei aber noch unklar, wo die Kokerei ihren Standort haben soll.

Die Bereitschaft zu Investitionen in den Bergbau sei ein Beleg dafür, dass das Ansehen der deutschen Steinkohle sich vor allem im vergangenen Jahr deutlich verbessert habe, erklärte der RAG-Chef. Die Branche leiste einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit, Kohle beziehungsweise Kokskohle sei ein "zentraler Rohstoff der Zukunft" und eine unabdingbare Voraussetzung für die Stahlerzeugung. Deshalb stehe die RAG auch zur DSK und stelle die Konzerntochter zurzeit neu auf.

Müller verwies in diesem Zusammenhang auf Gespräche mit einem Stromkunden, die zum Bau eines neues Kohlekraftwerkes in Duisburg-Walsum führen sollen. Auch eine Diskussion um die Einrichtung einer neuen Zeche zur Förderung von Kokskohle in Hamm sei derzeit im Gange, betonte Müller. Die RAG wolle dazu einen Genehmigungsantrag stellen und sich in dem mehrjährigen Verfahren um Investoren bemühen, kündigte der Vorstandsvorsitzende an.

NRW-Ministerpräsident Peer Steinbrück (SPD) hatte zuvor sein Bekenntnis zur heimischen Steinkohle bekräftigt. Gerade die gravierenden Veränderungen auf den weltweiten Energie- und Rohstoffmärkten hätten im vergangenen Jahr gezeigt, wie notwendig es sei, "auf einen Energiemix zu setzen, in dem die heimische Steinkohle ihren festen Platz behält", sagte der Ministerpräsident. Die zwischen der Bundes- und der Landesregierung, RAG und der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) bis 2012 vereinbarte Anschlussregelung der Steinkohle-Subventionen sei eine "verlässliche Perspektive" für die Branche.

Der dramatische Preisanstieg vieler Rohstoffe gefährde die wirtschaftliche Entwicklung wichtiger Industriezweige in Deutschland. Deshalb sei die Sicherung der Rohstoffe und der Energieversorgung für die Entwicklung in NRW und der Bundesrepublik unabdingbar, betonte Steinbrück. Der Ministerpräsident begrüßte in diesem Zusammenhang, dass es am 8. März in Berlin eine nationale Rohstoffkonferenz geben wird, in der Verantwortliche aus Politik und Wirtschaft zusammenkämen, um eine stabile Rohstoffgewinnung dauerhaft zu gewährleisten.

Auch der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE), Hubertus Schmoldt, unterstrich die Notwendigkeit, dass es sich eine führende Industrienation wie Deutschland nicht erlauben könne, ohne einen nationalen Energieplan "in die Zukunft zu gehen". Die Bundesregierung müsse deshalb nun eine "Energie-Agenda 2020" aufstellen, die als Grundlage für eine verlässliche Energiepolitik - unter Einbeziehung der heimischen Stein- und Braunkohle - dienen soll. Nur wenn Planungssicherheit in diesen Fragen gegeben sei, könnten auch die notwendigen Investitionen in Energienetze und Kraftwerke realisiert werden.