Kurswechsel

RAG behält Steag und baut Energiegeschäft aus

Der ehemalige Wirtschaftsminister und jetzige Vorstandsvorsitzende des Mischkonzerns RAG (vormals Ruhrkohle) will die Energiesparte ausbauen anstatt sie - wie von Vorgänger Starzacher geplant - zu verkaufen. Die Energietöchter Steag und Saarberg werden dazu verschmolzen und nur Randbereiche verkauft.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Düsseldorf (red) - Der Essener Bergbau- und Chemiekonzern RAG wird sein Energiegeschäft nicht wie geplant verkaufen. Im Gegenteil: Vorstandschef Werner Müller wird die deutschen Aktivitäten des Kraftwerkbauers und -betreibers Steag mit dem Energiegeschäft der Tochter Saarberg verschmelzen.

Müllers Vorgänger, Karl Starzacher, wollte sowohl Steag als auch Saarberg verkaufen, um die Übernahme des Chemieherstellers Degussa zu finanzieren. Weil der Verkauf jedoch nicht die gewünschten Erlöse brachte, leitete der ehemalige Wirtschaftsminister bereits kurz nach seinem Amtsantritt einen Kurswechsel ein. Mittlerweile hat er die Degussa-Übernahme anders finanziert und gleichzeitig auch den Schuldenberg des Mischkonzerns abgebaut.

Verkauft werden soll nun lediglich das internationale Geschäft der Steag und Randaktivitäten von Saarberg. Laut "Handelsblatt" wird die neue Energiesparte knapp acht Prozent der deutschen Stromerzeugung abdecken. Steag betreibt fünf große Steinkohlekraftwerke an Rhein und Ruhr, Saarberg gehören drei Kraftwerke und mit Saar Ferngas eine profitable Gasgesellschaft.

Was jetzt noch fehlt, ist ein Partner für die Energiesparte. Obwohl RAG laut "Handelsblatt" mit Gaz de France und der belgischen Electrabel verhandelt, ist RWE wohl Favorit - schon allein deshalb, weil der Essener Energiekonzern als zweitwichtigster RAG-Anteilseigner ein gewichtiges Wörtchen mitzureden hat. RWE ist größter Abnehmer des Steag-Stroms. Allerdings wird RWE-Chef Roels wohl die genaue Ausgestaltung des Emissionshandels abwarten, schlussfolgert das "Handelsblatt".

Auch unter Energieexperten sei der Strategiewechsel nicht unumstritten. Bis die Nachfrage nach zusätzlichen Kraftwerken anziehe, müsse die RAG eine Durststrecke überwinden, wobei ihr das Auslandsgeschäft hätte helfen können. Aber gerade dies wolle Müller loswerden, gab der Essener Energieprofessor Dieter Schmitt im "Handelsblatt" zu bedenken.

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