Im Alleingang

RAG-Aufsichtsrat erteilt Müller öffentlich eine Rüge

RAG-Chef Müller hat sich eine öffentliche Rüge aus dem eigenen Aufsichtsrat eingefangen. Hintergrund ist das Verhalten Müllers beim Verkauf der Tochter Saar Ferngas. Gleichwohl wurde der Vertrag mit Arcelor trotz der Eigenmächtigkeiten Müllers im Nachhinein gebilligt.

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Düsseldorf (ddp/sm) - Der Aufsichtsrat der RAG AG hat dem Vorstandsvorsitzenden des Konzerns, Werner Müller, für sein eigenmächtiges Verhalten beim Verkauf der Tochter Saar Ferngas öffentlich gerügt. Nach einer außerordentlichen Sitzung erklärte das Kontrollgremium am Dienstagabend in Düsseldorf, die Vereinbarung Müllers mit Arcelor Mittal sei nicht in erforderlicher Weise abgestimmt gewesen.

Der Aufsichtsrat billigte den Saar-Ferngas-Vertrag mit Arcelor am Dienstag zwar nachträglich. Das Gremium stellte aber zugleich klar, dass es bei Zweifelsfragen "künftig eine vorherige Klärung zwischen Vorstand und Präsidium des Aufsichtsrates" geben werde.

Hintergrund ist der von der RAG geplante Verkauf des 77-Prozent-Paketes an der Saar Ferngas, das eigentlich an die RWE AG gehen sollte. Das Bundeskartellamt hatte diese Akquisition im März untersagt, wogegen RWE derzeit gerichtlich vorgeht. Müller hatte daraufhin mit Arcelor Mittal vereinbart, dass der Konzern bei einem endgültigen Scheitern der Transaktion Saar Ferngas zu gleichen Bedingungen kaufen könne. RAG-Großaktionär RWE hatte sich deswegen beim RAG-Aufsichtsrat beschwert.

Ob sich die Rüge für Müller auf seine Zukunft im Konzern auswirken wird, blieb am Dienstag offen. Der Aufsichtsrat äußerte sich nicht zu der Diskussion, ob Müller Vorsitzender der geplanten Kohlestiftung oder Vorstandsvorsitzender des künftig börsennotierten RAG-Konzerns werden soll.

"Focus Online" berichtete am Dienstagabend unterdessen unter Berufung auf Berliner Regierungskreise, dass der Vorstandsvorsitzende von ThyssenKrupp, Ekkehard Schulz, Stiftungsvorsitzender werden könne. Schulz sei der Wunschkandidat von Bundeskanzlerin Angela Merkel, hieß es.