Besitzanteile

Rätsel um Milliarden aus sibirischem Öl

Millionen Tonnen von Öl werden jährlich in der Taiga im tiefsten Sibirien gewonnen und tatsächlich weiß niemand genau, wer zu den glücklichen Ölförderern gehört. Surgutneftegaz nennt sich das Unternehmen, welches das schwarze Gold aus dem sibirischen Boden pumpt und dessen Besitz durch Verflechtungen und Verschwiegenheit für die Öffentlichkeit undurchsichtig bleibt.

Erdölförderung© Jim Parkin / Fotolia.com

Berlin (red) – Die Fakten sprechen für sich: 61,5 Millionen Tonnen gefördertes Öl in 2013, 5,97 Milliarden Euro Gewinn und eine Investitionserhöhung von 4,2 Prozent machen Surgutneftegaz zum drittgrößten Ölkonzern Russlands. In den wenigen Sommermonaten, in denen die Taiga auftaut und überhaupt Erdöl gewonnen werden kann, hat der Konzern seinen Gewinn im Vergleich zu 2012 um 51 Prozent gesteigert. In wessen Taschen diese Summen wandern, bleibt bisher ein Geheimnis, so ein Bericht in der Online-Ausgabe der Welt.

Zehn Jahre ohne Finanzbericht

Bevor das Unternehmen gezwungen war, aufgrund von neuen Vorschriften nach zehn Jahren erstmals wieder einen Finanzbericht vorzulegen, war man davon ausgegangen, dass über 40 Prozent der Aktien in Unternehmensbesitz stünden. Tatsächlich aber zeigte sich, dass der Anteil auf unter einen Prozent gesunken war, sich am Bestand der Aktien aber nichts verändert hatte.

Informationen des Unternehmensleiters

Auch der Leiter des Unternehmens, Wladimir Bogdanow, bringt kein Licht in das Dunkel: Vor zwölf Jahren hatte er zu den Besitzverhältnissen lediglich verkündet, dass bis zu 70 Prozent der Anteile von dem Management und nach wie vor unbekannten Verbündeten gehalten würden. Der Finanzbericht legte gleichzeitig ein nicht gebundenes Guthaben von rund 30 Milliarden Dollar offen – ein Betrag, der zudem weiter ansteigt. Bogdanow zufolge komme die ungebundene Summe durch Sparsamkeit zustande – keine zufriedenstellende Erklärung, so das Urteil im Bericht der "Welt".

Verfügt Putin selbst über Anteile?

Der russische Präsident Wladimir Putin erklärte, dass viele der Aktien bei den Angestellten selbst angesiedelt seien. Stanislav Belkowski, ein russischer Politologe, hingegen behauptet, dass 37 Prozent der Anteile bei Putin selbst lägen. Um diese Vermutung ranken sich die Gerüchte. Einem Medienbericht zufolge soll die CIA in einer Vermögensaufstellung Putins den Besitz an dem Ölkonzern bestätigt haben. Russische Finanziers sollen aufgrund des Verbots von Finanzuntersuchungen an den Surgutneftegaz-Aktien zu ähnlichen Schlüssen gekommen seien. Auch die Ölfirma Gunvor, die im Besitz eines engen Vertrauten Putins war und mit dem Unternehmen Surgutneftegaz in Verbindung gebracht werden könne, liefere weitere Indizien für die Anteile Putins.

An dem Wachstum von Surgutneftegaz ändert das anscheinend nichts. "Und wir werden die Entwicklung des Unternehmens in der Region fortsetzen", soll Bogdanov auf der Aktionärsversammlung gesagt haben. In den nächsten fünf Jahren würde man vier neue Lagerstätten aufziehen.