Tendenz steigend

PwC: Zeitalter der "Mega-Mega-Deals" im Energiemarkt

Die Konsolidierungswelle in der internationalen Strom- und Gasindustrie hat 2006 einen neuen Höhepunkt erreicht und das Transaktionsvolumen des Rekordjahres 2005 noch einmal deutlich übertroffen. Für 2007 erwartet die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) eine weitere Steigerung.

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Frankfurt am Main (red) - Die Veränderungen der politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen sorgen dafür, dass der Konsolidierungstrend weiter anhalten wird. Zu diesen Ergebnissen kommt die PwC-Studie "Power Deals - Annual Review 2006". Das Unternehmen untersucht jährlich alle nationalen und internationalen Fusionen und Übernahmen von Elektrizitäts- und Gasversorgern.

Insgesamt haben die Käufe und Verkäufe im Energieversorgungssektor 2006 ein Volumen von 298,8 Milliarden US-Dollar erreicht nach 196 Milliarden US-Dollar im Jahr zuvor. Das Transaktionsvolumen hat sich im Vergleich zu den 43 Milliarden US-Dollar des Jahres 2003 innerhalb von nur drei Jahren nahezu versiebenfacht. Allein in Europa boten die Versorger 190,6 Milliarden US-Dollar für andere Unternehmen, während sich die Offerten in den USA auf 54,5 Milliarden US-Dollar reduzierten. Großtransaktionen haben sich weiterhin von Nordamerika nach Europa verlagert. Europa ist damit sowohl die größte Käufer- wie auch die größte Verkäuferregion.

"Das Jahr 2006 hat das Rekordjahr 2005 nicht nur beim Transaktionsvolumen noch einmal übertroffen. Nie zuvor hat es so viele und so große Fusionen gegeben wie 2006", sagt Manfred Wiegand, Partner bei PwC und verantwortlich für die Sparte Global Utilities.

Die Strom- und Gasindustrie hat nach Ansicht von PwC das Zeitalter der Mega-Deals schnell hinter sich gelassen und 2006 die Ära der "Mega-Mega-Deals" erreicht. Hatte es 2004 und 2005 je ein Gebot über der Marke von 20 Milliarden US-Dollar gegeben, waren es 2006 gleich vier. Schwerpunkt dieser außergewöhnlichen Entwicklung war Europa, wo die großen Versorger vor der Liberalisierung der Energiemärkte zum 1. Juli 2007 ihre Marktstellung ausbauen wollen. Die aktuelle Offerte von E.ON für die spanische Endesa sowie die Fusionsbestrebungen zwischen Suez und der Gaz de France erreichten mit Gesamtwerten von 66 Milliarden US-Dollar bzw. 43 Milliarden US-Dollar bislang nicht gekannte Dimensionen.

Eine wichtige Rolle im internationalen Energiemarkt nehmen inzwischen auch die Politik sowie Wettbewerbs- und Regulierungsbehörden ein, indem sie verstärkt in den andauernden Konsolidierungsprozess eingreifen. So strebt die EU-Kommission derzeit an, die Strom- und Gasnetze von den Versorgern eigentumsrechtlich zu trennen, um so vor dem Hintergrund der Energiepreisentwicklungen eine Veränderung der Marktstrukturen zu erreichen. "Sofern diese Pläne der EU-Kommission verwirklicht werden, könnte dies eine weitere nicht unerhebliche Restrukturierungsrunde der Marktteilnehmer nach sich ziehen, an der sich neben strategischen Investoren voraussichtlich auch Finanzinvestoren, wie beispielsweise Infrastrukturfonds, beteiligen werden", erläutert Wiegand.

Für 2007 will PwC weitere - auch große - Transaktionen nicht ausschließen. Denn die großen Energiekonzerne haben ihre endgültigen Positionen im Markt noch nicht gefunden und streben nach wie vor nach Wachstum durch Zukäufe und Fusionen. Zudem engagierten sich Finanzinvestoren und Infrastrukturfonds. Die Rohstoffpreise bleiben hoch. Die Versorger müssen in einem von Bedenken um die Versorgungssicherheit geprägten Markt die Beschaffung der Brennstoffe sichern und diversifizieren. Zudem werden die initiierten Transaktionen des Jahres 2006 für Bewegung im Jahr 2007 sorgen.

Die aktuelle Studie "Power Deals - Annual Review 2006" von PwC wird im Internet als kostenloser Download angeboten.

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