Expansionspläne Gazproms

Putin schlägt Fusion russischer und ukrainischer Gasfirmen vor

Russlands Regierungschef Wladimir Putin hat eine Fusion der staatlichen Gasanbieter Russlands und der Ukraine vorgeschlagen. Angeblich ist Moskau bereit zu einem Millionenkredit. Ein Zusammengehen des weltgrößten Gaskonzerns Gazprom mit Naftogaz dürfte die EU alarmieren.

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Moskau (afp/red) - "Ich schlage vor, Gazprom und Naftogaz zusammenzulegen", sagte Putin am Freitag nach einem Treffen mit seinem ukrainischen Kollegen Mikola Asarow im südrussischen Sotschi. Offenbar wurde Asarow mit der Ankündigung vor laufenden Fernsehkameras überrascht. Über den Plan hätten die beiden Ministerpräsidenten bei ihrer Begegnung unmittelbar zuvor nicht gesprochen, sagte ein Sprecher Asarows der Nachrichtenagentur Interfax. Kiew werde den Vorschlag nun prüfen.

Ein Zusammengehen des weltgrößten Gaskonzerns Gazprom mit Naftogaz dürfte die Europäische Union alarmieren. Diese beobachtet die Expansionspläne von Gazprom kritisch. Der Vorstoß Putins könnte zudem die pro-westlich orientierte ukrainische Opposition weiter reizen, die sich erst diese Woche erfolglos gegen eine Verlängerung des Pachtvertrags für den auf der ukrainischen Krim-Halbinsel gelegenen Stützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte gestemmt hatte. Nach der Verlängerung der Pacht hatte Moskau der Ukraine einen Preisnachlass von 30 Prozent bei Erdgaslieferungen eingeräumt.

Putin stellte der Ukraine zudem einen millionenschweren Kredit in Aussicht. Die russische Staatsbank WTB sei bereit, der Ukraine "in naher Zukunft" ein Darlehen von 500 Millionen US-Dollar (knapp 380 Millionen Euro) zu geben, um dem Land aus der Wirtschaftskrise zu helfen, sagte der russische Regierungschef. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern entwickelten sich derzeit gut im Finanz- und Bankensektor, fügte Putin hinzu. Er hoffe, dass die Zusammenarbeit fortdauere.

Nach dem Antritt des pro-russischen ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch nach seinem Wahlsieg im Februar haben sich die Beziehungen zu Moskau schnell verbessert. Beobachtern zufolge will sich die russische Regierung möglichst rasch wieder mehr Einfluss auf das Nachbarland sichern, das jahrelang unter pro-westlicher Führung stand.