Atommüll-Endlager

Prüfung der Gorleben-Akten dauert bis nach Bundestagswahl

Die vom Bundeskanzleramt versprochene Prüfung mutmaßlicher Manipulationen bei der Wahl Gorlebens als Atommüllendlager wird erst nach der Bundestagswahl abgeschlossen sein, so Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Gleichzeitig beschuldigt er das Ressort von Bundesumweltminister Gabriel, die Aktenrecherchen des Kanzleramts nicht ausreichend unterstützt zu haben.

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Berlin (ddp/red) - Das Bundesumweltministerium wies die Vorwürfe zurück und hielt seinerseits Bundeskanzlerin Merkel eine Verzögerungstaktik vor. Es dränge sich der Verdacht auf, dass das Kanzleramt etwas zu verbergen habe, sagte ein Ministeriumssprecher der "Frankfurter Rundschau": "Aus unserer Sicht ist der Sachverhalt eindeutig: Die Kohl-Regierung hat massiv Einfluss auf die Formulierung des Berichts genommen. Alles muss so schnell wie möglich auf den Tisch."

Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern des Kanzleramts sowie der Bundesministerien für Umwelt, Wirtschaft und Forschung geht derzeit dem Verdacht nach, dass 1983 Gutachten zur Eignung Gorlebens als Atomendlager auf Druck der damaligen Bundesregierung manipuliert worden sind. Die Arbeitsgruppe sollte laut Wilhelm an diesem Mittwoch erneut zusammenkommen.

"Wir hätten das sehr gern heute abschließen wollen", versicherte der Regierungssprecher. Jedoch hätten die Akten wegen des weit zurückliegenden Zeitraums überwiegend erst aus dem Bundesarchiv angefordert werden mussten. Dies seien allein für das Bundesumweltministerium 213 Akten gewesen. Die Sichtung dauere daher länger als erwartet.