Datenweitergabe

Prozess wegen versuchter Stromanbieter-Erpressung

Ab Mittwoch müssen sich vier Männer vor dem Landgericht München verantworten, die einen großen deutschen Gas- und Stromanbieter erpresst haben sollen. Laut Staatsanwaltschaft forderten die mutmaßlichen Täter im Alter zwischen 30 und 36 Jahren 800.000 Euro von dem Konzern.

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München (dapd/red) - Sie sollen dem Unternehmen damit gedroht haben, Daten von bis zu 700.000 Kunden weiterzugeben oder zu veröffentlichen, sollte der Betrag nicht gezahlt werden.

Laut den Ermittlungen war der jüngste der Beschuldigten im Jahr 2009 als Werkstudent bei dem Stromanbieter angestellt. Nach dem Ende seines Anstellungsverhältnisses soll er einen USB-Stick mit den Kundendaten an sich genommen und sich dann dazu entschlossen haben, seinen ehemaligen Arbeitgeber zu erpressen. Um diesen Plan umzusetzen, habe er sich zunächst an einen früheren Kollegen gewandt, der wiederum zwei weitere Komplizen rekrutiert haben soll. Die beiden Männer hätten ein Online-Konto, das auf einen falschen Namen lief, zur Verfügung gestellt.

Laut Staatsanwaltschaft richtete der ehemalige Werkstudent Anfang Februar per anonymisierter E-Mail ein Drohschreiben an das Unternehmen. Darin habe er sich und seine Mittäter als "international agierende Experten" ausgegeben, die auf das Auffinden von Sicherheitslücken spezialisiert seien. Man habe dem Konzern eine diskrete Behandlung der Sicherheitsmängel sowie Daten zugesichert, sofern sich dieser zur Überweisung von zunächst 750.000 Euro bereit erkläre.

Nachdem der Stromanbieter die Zahlung hinauszögerte, sei die Summe erhöht worden. Der Stromanbieter habe die Zahlungsfristen verstreichen lassen und sich lediglich zu einer persönlichen Übergabe des Geldes bereit erklärt. Dies lehnten die Beschuldigten aber ab. Bevor es jedoch zur Verwirklichung der Drohungen oder einer tatsächlichen Geldübergabe kommen konnte, wurden alle vier Männer festgenommen.