Jahresrückblick

Proteste in Brandenburg: Vattenfall will neue Tagebaue erschließen

Vattenfall will in der Lausitz neue Tagebaue erschließen. Diese Ankündigung sorgte 2007 für eine Welle des Protestes im Land Brandenburg. Die Landesregierung geriet ebenso unter Druck wie das schwedische Energieunternehmen selbst. 900 Menschen wären von der Umsiedlung betroffen.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Senftenberg (ddp-lbg/sm) - Anfang Mai wurden in einer Studie der Technischen Universität Clausthal im Auftrag des brandenburgischen Wirtschaftsministeriums 17 Lagerstätten aufgelistet. Das 148-seitige Dokument rief viele Kritiker auf den Plan.

In den Gemeinden bildeten sich zahlreiche Bürgerinitiativen. Naturschutzverbände, Parteien, Bauernbund, Sorben-Vereinigung Domowina und weitere verschiedene Organisationen bereiten eine Volksinitiative gegen neue Tagebaue vor, für die seit dem 8. Oktober Unterschriften gesammelt werden.

Studie weißt 33 Orte für Abbaggerung aus

In der umstrittenen Studie über eine "Fortschreibung der Tagebauentwicklung im Lausitzer Braunkohlerevier" führte Brandenburgs Wirtschaftsminister und Vize-Regierungschef Ulrich Junghanns (CDU) am 9. Mai sieben Gebiete in der Lausitz auf, in denen nach dem Jahr 2030 Braunkohle gefördert werden könnte. Dadurch wären 33 Orte von der Abbaggerung und rund 7000 Menschen von einer Umsiedlung bedroht. Dazu zählten auch Teile der größeren Städte Forst und Spremberg. Acht Milliarden Tonnen Braunkohle sollen in den sieben Gebieten lagern.

Mitte September folgte dann für weite Teile Südbrandenburgs Entwarnung. Vattenfall und die Landesregierung verständigten sich intern auf drei Tagebau-Standorte, die bis 2060 aufgeschlossen werden sollen. Der Energiekonzern will die Lagerstätten Jänschwalde-Nord, Bagenz-Ost und Spremberg-Ost abbauen. Rund 900 Menschen wären demnach von Abbaggerung und Umsiedlung betroffen.

Platzeck: Braunkohle-Kraftwerke nur mit CO-armer Technik

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) verteidigte die Pläne. "Die Braunkohleindustrie ist integraler Bestandteil der brandenburgischen Volkswirtschaft", sagte Platzeck. Jedoch dürften neue Kraftwerke nur mit CO2-armer Technik errichtet werden. Kritiker bezeichnen die hohen Treibhausgas-Emissionen der Braunkohle-Kraftwerke als "Klimakiller Nummer eins".

Vattenfall arbeitet auch deshalb intensiv am sogenannten CO2-emmissionsfreien Braunkohlekraftwerk. Der Konzern sei zuversichtlich, bis 2015 die neue Technologie entwickelt zu haben. Diese könne dann weltweit exportiert werden. Bereits Mitte des kommenden Jahres soll eine 6,5 Millionen Euro teure Versuchsanlage zur effektiveren Stromausbeute in Schwarze Pumpe (Spree-Neiße) in Betrieb gehen.

Unterschriften "für eine zukunftsfähige Energiepolitik"

Jährlich werden in Brandenburg rund 40 Millionen Tonnen Rohkohle gefördert. In den nächsten Jahren soll die Menge aufgrund besserer Stromausbeute auf 30 bis 35 Millionen zurückgefahren werden. Die Initiatoren der Volksinitiative "Keine neuen Tagebaue - für eine zukunftsfähige Energiepolitik" wollen aus Gründen des Klimaschutzes, des Schutzes der Menschen vor der Abbaggerung ihrer Heimat und des Natur- und Landschaftsschutzes neue Tagebaue in der Lausitz für immer verhindern. 20.000 Unterschriften werden benötigt, damit sich der brandenburgische Landtag mit dem eingebrachten Gesetzesentwurf beschäftigt. Bisher wurden laut Naturschutzbund (NABU) 6000 Unterschriften gesammelt, die Aktion läuft noch bis Januar.

"Gott hat die Lausitz erschaffen und der Teufel hat in ihr die Kohle vergraben", sagt ein altes sorbisches Sprichwort. Seit mehr als 100 Jahren leben die Menschen in der Region mit und von der Braunkohle. Das Braunkohleflöz bildete sich vor rund 17 Millionen Jahren. Im Lausitzer Revier lagern insgesamt 13 Milliarden Tonnen des "schwarzen Goldes". In Südbrandenburg sind derzeit vier Tagebaue aktiv: Cottbus-Nord, Jänschwalde, Welzow-Süd und Nochten. Im Tagebau Reichwalde laufen die Vorbereitungen zu dessen Wiederinbetriebnahme im Jahr 2010. Die Tagebaurestlöcher werden in der Regel mit Wasser aufgefüllt. Im Süden Brandenburgs ist dadurch das Lausitzer Seenland entstanden.