Demonstationen am Wochenende

Proteste gegen Moorburg: 10 Verletzte und 21 Verhaftungen

Bei den Protesten gegen das geplante Vattenfall-Kohlekraftwerk in Hamburg-Moorburg ist es am Samstag zu Auseinandersetzungen zwischen den Demonstranten und der Polizei gekommen. Mehrere Demonstranten hatten versucht, die mit Zäunen abgesperrte Baustelle zu betreten. Die Polizei setzte Wasserwerfer, Schlagstöcke und Pfefferspray ein.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Hamburg (ddp-nrd/sm) - Die Protestmarsch-Veranstalter zeigten sich angesichts der "massiven Polizeigewalt" entsetzt. Bei den Protesten wurden zwei Demonstranten sowie acht Polizisten verletzt. 21 Demonstranten wurden in Gewahrsam sowie zwei Protestler vorläufig festgenommen.

Weniger Teilnehmer bei Protestmärschen als angekündigt

Wegen des starken Dauerregens hatte es noch am späten Vormittag nach einer äußerst schwachen Beteiligung bei den beiden geplanten Protestmärschen zur Kraftwerksbaustelle ausgesehen. Einer der beiden Protestzüge vom S-Bahnhof Neuwiedental sei vorübergehend wegen zu schwacher Beteiligung abgesagt worden, fand schließlich aber doch statt. Dafür wurde der zweite geplante Marsch vom S-Bahnhof Heimfeld aus kurzfristig abgesagt. Die Polizei sprach von 600 Teilnehmern, das Aktionsbündnis Gegenstrom08 von 700. Die Umweltaktivisten hatten ursprünglich mit mehr als 1000 Teilnehmern gerechnet.

Der für 12.00 Uhr geplante Heimfelder Protestzug setzte sich nach einer Auftaktkundgebung erst gegen 13.15 Uhr in Bewegung. Offiziell sollte der Protest um 15.30 Uhr mit einer Abschlusskundgebung enden. Auf dem Weg zum Moorburger Elbdeich wichen laut Polizeiangaben etwa 400 Demonstranten von der genehmigten Marschroute ab und versuchten über ein Spülfeld auf die Baustelle zu gelangen. Aus dieser Gruppe seien Beamte mit Steinen und Flaschen beworfen worden. Die Polizei setzte daraufhin Pfefferspray, Wasserwerfer und Schlagstöcke ein.

Polizei löst Sitzblockade mit Wasserwerfern auf

Während der Kundgebung gegen 16.00 Uhr am Elbdeich versuchten 200 Demonstranten erneut die Baustellenzäune zu überwinden. Da sich die Störer laut Polizei immer wieder unter die Teilnehmer der Kundgebung mischten, löste die Polizei die Versammlung um kurz nach 16.15 Uhr auf. Eine spontan angemeldete Demonstration "Gegen Polizeigewalt und Polizeiwillkür" zurück zum S-Bahnhof Heimfeld wurde genehmigt. Rund 70 Demonstranten weigerten sich, den Kundgebungsort zu verlassen und bildeten eine Sitzblockade, die mit Wasserwerfern aufgelöst wurde.

Die Umweltaktivisten bezeichneten das Vorgehen der Polizei als willkürlich und brutal. Christoph Kleine, Sprecher von Gegenstrom08 sagte, die Entschlossenheit und der Mut der Aktivisten seien äußerst beeindruckend gewesen. Auf die "Eskalationsversuche der Polizei" seien sie "nicht eingegangen" und hätten trotz der "Attacken" mit Wasserwerfern, Schlagstöcken und Reizgas immer wieder versucht, die Baustelle zu besetzen. Die Auflösung der Kundgebung bezeichnete Kleine als "rechtswidrig". Die Polizei scheine jede Achtung vor dem Grundrecht der Versammlungsfreiheit zu fehlen. Die Verantwortung für die "Knüppelei" trage allerdings der schwarz-grüne Senat.

Bei den Auseinandersetzungen am Samstag wurden acht Polizisten verletzt, eine Beamtin brach sich das Wadenbein. Zwei Demonstranten wurden leicht verletzt. An dem Einsatz waren mehr als 1000 Beamte aus Hamburg, Schleswig-Holstein und der Bundespolizei beteiligt.

Womöglich bis zum 10. September wird die Hamburger Umweltbehörde unter Leitung des Senats endgültig über den Antrag von Vattenfall zum Bau des Kraftwerks entscheiden. Der Konzern will in Moorburg ein Steinkohlekraftwerk mit 1600 Megawatt Leistung errichten.