Energie aus Klärschlamm und Hausmüll

Proteste gegen Kraftwerk mit Klärschlamm- und Müllverbrennung

Rund 1000 Menschen haben am Samstag in der Unterallgäuer Gemeinde Ettringen gegen die Pläne zum Bau eines großen Heizkraftwerks der Papierfabrik Lang demonstriert. Da in der Anlage auch Kunststoffe und Plastik verfeuert werden soll, fürchten die Bürger starke Umweltbeeinträchtigungen.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Ettringen (ddp-bay/sm) - In der 125-Millionen-Euro-Anlage sollen neben Erdgas auch erhebliche Anteile an "Ersatzbrennstoffen" verfeuert werden. Dabei handelt es sich um kommunalen Klärschlamm sowie klein gehäckselten Haus- und Gewerbemüll, darunter auch Plastikreste.

Protestorganisator Martin Kleint begründete seine Bedenken gegen das Projekt so: "Diese Ersatzbrennstoffe beinhalten viele Stoffe, die uns sehr große Sorgen machen, denn bei der Verbrennung von Kunststoffen und Plastik entsteht Dioxin, und wir befürchten wirklich, dass unsere Umwelt dadurch stark belastet wird." Trommler und als Müllmänner verkleidete Demonstrationsteilnehmer brachten Transparente mit, auf denen "Keine Müllverbrennung XXL" und "Gift und Gier ist Lang-Papier" zu lesen war.

Papierherstellung ist enorm energieintensiv. Daher will die Firma Lang, die dem finnischen Myllykoski-Konzern gehört, ihre Energie selbst erzeugen. Papier-Lang ist einer der größten Hersteller von Zeitungs- und Zeitschriftenpapier in der Bundesrepublik.

Größten Arbeitgeber "nicht vergraulen

Im Rathaus von Ettringen sind zurzeit große Stellwände mit den Plänen der Papierfabrik, dem weitaus größten Arbeitergeber, aufgestellt. Bürgermeister Robert Sturm (CSU) hat mit seinem Gemeinderat keine leichte Aufgabe - die Fabrik mit ihren 540 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 300 Millionen Euro soll nicht vergrault werden, aber auch die Bürger nicht. "Ich versuche, die Position des Gemeinderates der Firma rüberzubringen und gegebenenfalls Verbesserungen, was die Zusammensetzung der Brennstoffe betrifft und die Mengen, auf dem Verhandlungswege zu erreichen", sagt Sturm.

Papierfabrikchef Thomas Krauthauf erklärt: "Im Reststoffkessel werden wir den Energiegehalt unserer eigenen Reststoffe nutzen und zusätzlich, um den Heizwert zu erhöhen, Ersatzbrennstoffe und kommunalen Klärschlamm hinzufügen. Mit dem Einsatz der Ersatzbrennstoffe sparen wir auch fossile Energie." Krauthauf bezieht sich auf ein lufthygienisches Gutachten, das ein Augsburger Institut erstellt hat. Er versichert: "Das besagt eindeutig, dass die Rauchgasreinigung die Emissionen weitgehend reduzieren wird."

Kleint weist auch darauf hin, dass die Ettringer und ihre Nachbarn widerstandserprobt sind. Vor knapp zwanzig Jahren konnte durch massive Bürgerproteste eine kommunale Müllverbrennungsanlage verhindert werden. Die sollte damals 130.000 Tonnen jährlich thermisch verwerten.

Andere Zusammensetzung der Brennstoffe möglich?

Wenn nicht gerade demonstriert wird, heißt es immer wieder ganz vorsichtig, dass man den finnischen Konzern nicht vergraulen möchte, wo doch zurzeit mit Nokia ein anderer finnischer Konzern mit seiner Werksverlagerung so für Aufsehen sorgt. Aber auch die Papierfabrik dürfe eben den Bogen nicht überspannen. "Warum nicht, wie das Konkurrenzunternehmen in Schongau, statt der Ersatzbrennstoffe das etwas teurere, aber umweltfreundliche Erdgas verwenden?", fragt Kleints Mitstreiter Armin Weh.

Werksleiter Krauthauf signalisiert nur begrenzt Bereitschaft, über die Zusammensetzung der Brennstoffe zu diskutieren. "Am Schluss müssen wir natürlich aufpassen, dass die Anlage insgesamt nicht unwirtschaftlich wird, weil Energie ist für uns ein sehr wichtiger Anteil bei unseren Produktionskosten und ist damit durchaus ein Faktor, der die Wirtschaftlichkeit des Standorts in Frage stellen kann."