Lärmbelästigung befürchtet

Protest gegen geplante Erdgasanlage in Naturparkt-Nähe

In Groß Köris und in den umliegenden Gemeinden wächst der Widerstand gegen den geplanten Bau einer Gasverdichtungsstation. 1200 Unterschriften hat die Bürgerinitiative "Keine Erdgasverdichteranlage in Groß Köris und im Naturpark Dahme-Heideseen" bereits gesammelt.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Groß Köris (ddp-lbg/sm) - Die Wingas AG, ein Gemeinschaftsunternehmen der russischen Gazprom und Wintershall/BASF, plant den Bau der größten deutschen Erdgastrasse durch den Ort und den angrenzenden Naturpark Dahme-Heideseen. "Die Errichtung einer solch riesigen Industrieanlage inmitten eines intakten Biotopverbundes ist unverantwortlich", sagt Wolfgang Georgsdorf, Sprecher der Bürgerinitiative. Zudem würde die Lärmbelästigung für die Anwohner unerträglich sein. Die Station soll auf einer Fläche von rund vier Hektar erbaut werden und Erdgas aus der geplanten Ostsee-Pipeline (OPAL) für die Weiterleitung ins sächsische Olbernhau komprimieren.

Die Leistung der Turbinen betrage 30 Megawatt, heißt es in der Konzeption des Unternehmens. "Sie sind so laut wie ein Düsenjet", zieht Georgsdorf einen Vergleich zur entstehenden Lärmemission, die täglich rund um die Uhr zu hören wäre. "Die Anlage könnte ein Dammbruch für weitere industrielle Großanlagen wie beispielsweise ein Gaskraftwerk werden", vermutet Georgsdorf, der damit auch die Grundlage für den Tourismus bedroht sieht. So seien bereits nach Bekanntgabe des geplanten Baus der Verdichterstation Investoren abgesprungen. "Die Lärmbelästigung wäre einfach zu groß", sagt er.

Das Raumordnungsverfahren für den 270 Kilometer langen brandenburgischen Leitungsteil, bei dem die Gemeinden Einfluss auf den geplanten Streckenverlauf nehmen können, ist am 25. Januar von der Raumordnungsbehörde ausgesetzt worden. Der Betreiber sollte Verbesserungsvorschläge einreichen und einen alternativen Standort prüfen. Doch dieser scheint für die Firma nicht infrage zu kommen.

Unternehmen lehnt anderen Standort ab

"Unter der Berücksichtigung raumordnerischer, technischer und umweltbedingter Gesichtspunkte hat sich Groß Köris als bester Standort für eine Verdichterstation erwiesen", sagt Wingas-Sprecher Nicholas Neu und verteidigt das Vorhaben des Unternehmens. Die Anlage sei für den Weitertransport des Erdgases notwendig. "Groß Köris ist ein bedeutender Energieknotenpunkt, von dem der Großraum Berlin-Brandenburg maßgeblich versorgt wird", führt der Sprecher an. Ob sich die Raumordnungsbehörde der Argumentation anschließt, ist offen.

Wichtig für die Entscheidung dürfte die Stellungnahme des Umweltministeriums sein. "Grundsätzlich sind geschützte Gebiete aus Sicht des Naturschutzes und der Landschaftspflege keine geeigneten Standorte für Industrieansiedlungen", sagt Peter Jansen vom Naturschutz-Referat des Umweltministeriums, das sich in dem Verfahren als oberste Naturschutzbehörde um die Belange des Naturschutzes und der Landschaftspflege kümmert. "Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Bau einer Verdichterstation am geplanten Standort Auswirkungen auf die Natur hat."

Dennoch vermeidet das Umweltministerium eine völlig ablehnende Haltung zu dem Projekt. "Es liegt noch keine konkrete Projektplanung vor, die abschließend eine Bewertung der Natur- und Umweltverträglichkeit der Erdgasverdichterstation zulässt", betont Jansen. Einen Konflikt mit dem für das Raumordnungsverfahren zuständige Wirtschaftsministerium sehe er nicht.

Gegen die Installierung des Gasdruckerhöhungswerkes spricht nach Angaben der Bürgerinitiative auch der Landesentwicklungsplan, der den Naturpark Dahme-Heideseen für die Zukunft als Naherholungs- und Tourismusgebiet vorsieht. Georgsdorf unterstreicht: "Eine industrielle Großanlage verstößt gegen diese Richtlinien."