Sippenhaft?!

Propeller-Feindschaften in der Uckermark

Der uckermärkische Windanlagenhersteller Enertrag will nicht mit Firmen zusammenarbeiten, die ihren Sitz in Gemeinden mit einer negativen Einstellung zur Nutzung und Erzeugung regenerativer Energie haben. In verschiedenen Foren wird dem Unternehmen jetzt "Sippenhaft" vorgeworfen.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Brüssow/Penkun (ddp-nrd/sm) - Dem Penkuner Dachdecker-Meister Manfred Döring verschlug es die Sprache, als er das Schreiben des uckermärkischen Windkraftunternehmens Enertrag geöffnet hatte. "Die negative Einstellung der Gemeinde Penkun zur Nutzung und Erzeugung der erneuerbaren Energie aus Windkraft hat uns dazu bewegt, Firmen, die ihren Sitz in der Gemeinde Penkun haben, zukünftig von Auftragsvergaben auszuschließen", heißt es in dem Brief, der Dörings Firma kürzlich zuging.

"Im Klartext heißt das wohl, dass wir uns um Aufträge, die Enertrag ausschreibt, künftig gar nicht mehr zu bewerben brauchen. Und das nur, weil unsere Gemeindevertreter sich gegen die Windkraft stark machen. Das ist schon ein starkes Stück", sagt Döring. Hintergrund des Enertrag-Schreibens ist der Einspruch der vorpommerschen Gemeinde Penkun gegen ein geplantes Windfeld in der Gemarkung des im benachbarten Brandenburg liegenden Ortes Brüssow.

Den Ärger von Enertrag kann Döring verstehen, nicht jedoch die Reaktion, die Penkuner Firmen dafür abzustrafen. Ihm geht nun ein lukratives Geschäft durch die Lappen: Er hatte sich um einen 170 000 Euro schweren Teilauftrag beim Bau des neuen Firmensitzes von Enertrag im uckermärkischen Dauerthal beworben. Döring selbst ist kein Gegner der Windkraft. "Man sollte den Windkraftbetreibern nicht ständig Steine in den Weg werfen. Aber die Art und Weise wie das Unternehmen reagiert, ist nicht in Ordnung."

Zumindest sei der umstrittene Brief Wasser auf die Mühlen der Windkraftgegner, die der Firma Enertrag in ihren Internet-Foren deshalb eine fragwürdige Form von Sippenhaft vorwerfen. Enertrag selbst lässt in einer Presseerklärung wissen, dass die Firma gern mit regionalen Firmen zusammenarbeitet, die an einer gedeihlichen Entwicklung der Windkraft interessiert sind. "Es bestehen enge, gute und langfristige Geschäftskontakte mit vielen Unternehmen, die in Gemeinden ansässig sind, in denen Windfelder errichtet wurden oder geplant sind", heißt es in dem Schreiben. Das sei aber nur da möglich, wo die politischen Rahmenbedingungen stimmen.

"Wer aus den Einnahmen der Windenergie profitieren will, der muss auch eine Politik machen, die auf die Förderung der Windenergie in seiner Gemeinde ausgelegt ist", heißt es abschließend. Gegen diese Art von Firmenpolitik wehren kann sich Döring nicht. "Teilweise kann ich Enertrag auch verstehen", sagt er. Seine Hoffnung besteht nun darin, dass die Streitereien pro oder contra Windkraft künftig zu einem versöhnlichen Ende kommen könnten.

Von ddp-Korrespondentin Juliane Sommer