Nach Fukushima

Preis ist Stromkunden immer noch am wichtigsten

Der Atomunfall in Fukushima hat das Verhalten der deutschen Stromverbraucher nur wenig verändert, so eine aktuelle Studie. Der Run auf Ökostrom oder andere atomfreie Stromtarife war nur von kurzer Dauer, das Umdenken geht nach wie vor langsam vor sich. Wichtiger als die Stromherkunft ist den meisten der Preis.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Düsseldorf / Berlin (red) - Bei Tarif- oder Anbieterwechseln spielt weiterhin der Strompreis und nicht die Art der Energiegewinnung die entscheidende Rolle. Dies zeigt die aktuelle Marktstudie "Private Stromkunden in Deutschland 2011" des Marktforschungsinstituts Nordlight Research aus Hilden. 1.000 Bundesbürger ab 18 Jahren werden seit 2008 jährlich dafür befragt. Die aktuelle Untersuchung erfolgte mit einem Abstand von sechs Monaten zum Reaktorunglück in Japan.

Nur sieben Prozent haben den Anbieter gewechselt

Demnach hat zwar jeder dritte Stromkunde nach Fukushima kurzfristig mit dem Gedanken an einen Anbieter- oder Tarifwechsel gespielt. Tatsächlich vollzogen haben diesen nach eigenen Angaben aber lediglich sieben Prozent, wobei die durchschnittliche jährliche Anbieterwechselquote bereits bei fünf Prozent liegt. Ökostrom-Anbieter konnten lediglich von einem kurzfristigen Boom profitieren. Zwei Drittel der Deutschen sahen aufgrund der Ereignisse vom März gar keinen Anlass, ihr eigenes Verhalten als Stromkunden zu überdenken oder zu verändern.

Umdenken hat sich nur leicht beschleunigt

Wirkungslos ist Fukushima allerdings nicht geblieben: Unter den grundsätzlich wechselbereiten Stromkunden (34 Prozent des Gesamtmarktes) hat sich der Anteil der ökostromaffinen Verbraucher gegenüber 2010 von 10 auf aktuell 18 Prozent nahezu verdoppelt. Und die generelle Bereitschaft der Bundesbürger, für umweltfreundlich produzierten Strom einen Aufpreis zu zahlen, ist 2011 im Vergleich zum Vorjahr von 15 auf 18 Prozent gestiegen. Im Marktverhalten dominieren aber nach wie vor Preisargumente: 58 Prozent der aktuell wechselbereiten Verbraucher wollen - forciert durch weiter steigende Strompreise - in kostengünstigere Tarife oder zu Billiganbietern wechseln; 2010 waren dies erst 52 Prozent. Generell findet die Atomenergie freilich nur noch acht Prozent uneingeschränkte Unterstützer.

"Die Veränderungen im deutschen Strommarkt vollziehen sich auch nach Fukushima nicht erdrutschhaft, dennoch stetig und unaufhaltsam", sagt Thomas Donath, Geschäftsführer von Nordlight Research. "Die bevorstehende Energiewende wird sich insgesamt wohl mehr von oben nach unten als umgekehrt vollziehen."

Gewechselt wird zu unterschiedlichsten Anbietern

Mehr als jeder vierte private Stromkunde hat mittlerweile bereits mindestens einmal den Anbieter gewechselt. Die zukünftige Wechselbereitschaft nach einem einmal vollzogenen Anbieterwechsel steigt deutlich an.

Vergleichsweise häufig gewechselt wurde in den vergangenen zwölf Monaten zu den Stadtwerken, zu Energiediscountern wie FlexStrom, Stromio, Hit Strom und eprimo, aber auch zum schwedischen Energiekonzern Vattenfall, also zu drei sehr unterschiedlichen Anbietertypen. Auch Kunden des insolventen Billigstromanbieters Teldafax sind nach dem automatischen Wechsel zum Grundversorger weiterhin wechselbereit: 70 Prozent sind bereits wieder aus dem Grundversorgungstarif gewechselt oder haben dies aktuell vor.