Ohne konkreten Standort

Polnisches Wirtschaftsministerium bestätigt Pläne für Atommeiler

Das Rätselraten um Polens Atompläne an der Oder geht weiter: Das polnische Wirtschaftsministerium bestätigte zwar Überlegungen zur Nutzung der Kernkraft, nicht aber die Untersuchung konkreter Standorte, so etwa die Ortschaft Gryfino an der Oder, nordöstlich der brandenburgischen Stadt Schwedt.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Frankfurt/Oder (ddp-lbg/sm) - Polen analysiert Möglichkeiten zur Nutzung der Kernenergie zur Stromerzeugung. Das bestätigte das polnische Wirtschaftsministerium der "Märkischen Oderzeitung" (Freitagausgabe). In einer Erklärung heißt es dem Blatt zufolge, dass die Analysen in Übereinstimmung mit einem Programm zur Energieversorgung des Landes bis zum Jahr 2025 erfolgen. Dabei sollten auch andere alternative Energiequellen untersucht werden.

Das Ministerium dementierte dagegen Berichte, wonach bereits mögliche Standorte für ein erstes polnisches Kernkraftwerk untersucht würden. Bevor das geschehe, solle bis zum Jahr 2008 zunächst gesellschaftliche Akzeptanz für die Nutzung der Kernenergie gewonnen werden. Medienberichten zufolge plant Polen ab 2015 den Bau von Kernkraftwerken. Als möglichen Standort hätten Wissenschaftler dabei die Stadt Gryfino an der Oder nordöstlich von Schwedt ausgemacht.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat sich unterdessen "skeptisch" über Polens angebliche Pläne geäußert. Die SPD befürworte den Ausstieg aus der Kernenergie, betonte er gestern im Abgeordnetenhaus. Derzeit lägen ihm jedoch noch keine gesicherten Informationen zu einem solchen Projekt vor, deshalb sei eine abschließende Bewertung nicht möglich. Gegebenenfalls würden aber in Abstimmung mit Brandenburg Bedenken gegenüber den polnischen Partnern artikuliert.

Auch die Bundesregierung hat nach eigenen Angaben keine Kenntnis über ein von der polnischen Regierung angeblich an der gemeinsamen Grenze geplantes Atomkraftwerk. Vize-Regierungssprecher Thomas Steg sagte heute in Berlin, ihm sei von solchen Planungen nichts bekannt. Er halte dies auch für "höchst spekulativ". Steg betonte in dem Zusammenhang, die deutsch-polnischen Beziehungen seien intensiv. Bei einem Vorhaben von solcher Bedeutung würde die polnische Seite sicherlich die deutsche Seite in Kenntnis setzen.