Gutachten

Polnisches Atomprogramm enthalte "schwere Fehler"

Mit neuen Ergebnissen aus einem juristischen Gutachten erhöhen die Grünen den Druck auf das umstrittene Atomprogramm in Polen. Die Untersuchung zeige, dass das polnische Wirtschaftsministerium "die realen Gefahren" der Kernenergie herunterspiele, sagte der sächsische Grünen-Landesvorsitzende Volkmar Zschocke am Donnerstag in Dresden.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Dresden (dapd/red) - Die Planung, in den kommenden Jahren zwei Atomkraftwerke zu bauen, enthalte "schwere Fehler". Das Gutachten wurde im Auftrag ostdeutscher Grünen-Landtagsfraktionen erstellt. Darin wird bemängelt, dass Polen fälschlicherweise davon ausgeht, Havarien wie die in Tschernobyl oder Fukushima fänden nur einmal in einer Million Jahre statt. Komme es dennoch zu einem Vorfall, werde zum Schutz der Bevölkerung die Verabreichung von Kaliumjodidtabletten in einem Umkreis von drei Kilometern als ausreichend empfunden. Beide Behauptungen seien "klar widerlegt", sagte Zschocke. Zudem wird Polen in dem Gutachten vorgeworfen, EU-Vorgaben zum Ablauf von Umweltprüfungen nicht zu erfüllen.

Aufruf zum Protest

Angesichts der Ergebnisse rufen die Grünen zum Protest gegen das polnische Atomprogramm auf. So müsse die Landesregierung gegenüber der polnischen Seite die Verfahrensfehler deutlich machen und bei der EU-Kommission ein Beschwerdeverfahren einreichen, sagte Zschocke. Die Bürger in Sachsen könnten zudem noch bis zum 4. Januar eine Stellungnahme an das polnische Wirtschaftsministerium schicken.

In Polen gibt es bislang keine Atommeiler. Um die Abhängigkeit von Kohle und Öl zu verringern, sollen zwei Atomkraftwerke gebaut werden. Als mögliche Standorte gelten unter anderem die von Sachsen aus nur wenige hundert Kilometer entfernten Städte Warta-Klempicz, Kopan und Zarnowiec.