Geplanter Einstieg

Polnische Atompläne sorgen weiter für Unmut

Die polnischen Kernenergiepläne wecken in Brandenburg zunehmend Besorgnis. Umweltministerin Anita Tack (Linke) kritisierte das Vorhaben in einer Stellungnahme zu den Umweltauswirkungen des Programms, wie ihr Ministerium am Dienstag in Potsdam mitteilte.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Potsdam (dapd/red) - In dem Schreiben an das Warschauer Wirtschaftsministerium bat sie um eine Revision der Pläne. Im November hatte bereits Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) bei einem Besuch in Warschau gegenüber Regierungsvertretern seine ablehnende Haltung geäußert.

Grenzüberschreitende Auswirkungen

Der Einstieg in die Nutzung der Atomenergie sei zwar in erster Linie eine innerstaatliche Angelegenheit, habe aber auch grenzüberschreitend fundamentale Auswirkungen, erklärte Tack. So sei ein Kernkraftwerk in Polen eine potenzielle Gefahr auch für die Brandenburger Bevölkerung. Das gelte unabhängig vom Standort des Meilers. Das Desaster von Fukushima habe gezeigt, dass selbst ein Hochtechnologieland wie Japan nicht vor einem Unfall bewahrt bleibe. Tack verwies zudem auf das ungelöste Problem der Endlagerung der radioaktiven Abfälle.

"Brandenburg hat sich von Anfang an gegen die Nutzung der Atomkraft gewandt", sagte die Ministerin. Sie bot der polnischen Seite an, die hiesigen Erfahrungen zur Förderung erneuerbarer Energien weiterzugeben. Damit solle Polen bei der Suche nach Alternativen zur Atomenergie unterstützt werden.

Erstes AKW soll bis 2020 stehen

Polen hatte der Bundesrepublik im Zuge der grenzüberschreitenden Umweltprüfung den Entwurf des Kernenergieprogramms übermittelt. Danach will das Land zwei Kernkraftwerke errichten, das erste bis zum Jahr 2020.

Ministerpräsident Platzeck hatte Ende November in Warschau in einem Gespräch mit Wirtschaftsminister Waldemar Pawlak unterstrichen, dass er die Energieerzeugung aus Atomenergie grundsätzlich ablehnt. Pawlak entgegnete, dass sich Polen nur auf neueste und sicherste Technologien stützen wolle.

Brandenburger Bürger können sich noch bis 4. Januar 2012 mit Eingaben an das polnische Wirtschaftsministerium wenden.