Nich genug Geld für Heizung

Politiker dringen auf billigere Energie

Politiker und Gewerkschafter dringen angesichts stark steigender Energiepreise auf finanzielle Entlastungen für die Bürger. Während der CSU-Vorsitzende Erwin Huber für deutlich längere AKW-Laufzeiten plädierte und deren Gewinne den Verbrauchern zugutekommen lassen will, warnen Linke und Gewerkschaftler davor, das Bürger im Winter frieren müssen.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Linken-Fraktionschef Gregor Gysi sagte, die Politik müsse die Energiekonzerne dazu zwingen, Sozialtarife anzubieten, "damit wir in Deutschland keine Kältetoten bekommen".

Auch DGB-Chef Michael Sommer befürchtet, viele Mieter, Wohnungs- und Hauseigentümer könnten ihre Kosten für Heizöl, Gas oder Kohle nicht mehr bezahlen. "Es droht der erste Winter seit langem zu werden, in dem Zehntausende Deutsche frieren müssen", sagte er.

Huber: Atomkraftwerke 60 Jahre laufen lassen

Huber schlug "einen Pakt vor, mit dem sich die Energiewirtschaft verpflichtet, die Gewinne aus einer Verlängerung der Laufzeiten der Kernkraftwerke im Wesentlichen zur Dämpfung der Strompreis-Explosion einzusetzen". International seien heute Laufzeiten bis zu 60 Jahren technisch machbar.

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil warf Huber daraufhin Verantwortungslosigkeit vor. Huber seien die "ideologische Fixierung auf Atomkraft und die Profite der großen Energieversorger wichtiger als die Sicherheit der Menschen."

Unterstützung für Strom und Heizung gefordert

Gysi betonte, wenn es keine Sozialtarife gebe, müsse "zumindest bei Hartz IV und bei der Grundsicherung für Rentner" aufgestockt werden. Auch Sommer forderte Sozialtarife für den häuslichen Bedarf an Heizung und Strom. "Frieren ist genauso schlimm wie hungern. Das kann keine Regierung hinnehmen", sagte er. Ein eng bemessener, nach Haushaltsgröße gestaffelter Grundbedarf könnte deutlich für alle verbilligt werden.

Auch SPD-Vorstandsmitglied Hermann Scheer kündigte eine Gesetzesinitiative für Sozialtarife in seiner Partei an. Er wolle erreichen, dass Bundestagsfraktion und Bundespartei ab September einen solchen Gesetzentwurf ausarbeiten.

Familien müssen mit 1000 Euro Mehrkosten rechnen

Nach Ansicht von Verbraucherschützern müssen die Verbraucher die Zeche dafür zahlen, dass Spekulanten die Rohstoffpreise in die Höhe trieben und die Privatisierung der Energiewirtschaft vor allem den Konzernen genutzt habe. So werde eine vierköpfige Familie in diesem Jahr voraussichtlich rund 2000 Euro mehr für Strom, Heizung und Benzin zahlen müssen als im Jahr 2000 und etwa 1000 Euro mehr als im vergangenen Jahr, rechnete der Bundesverband der Verbraucherzentralen vor.

Der Bund der Energieverbraucher berichtet, mindestens einer Million Kunden pro Jahr würden wegen Zahlungsrückständen zeitweilig Strom und Gas gesperrt. "Wir befürchten eine deutliche Steigerung, wenn Staat und Energieunternehmen nichts gegen die explodierenden Preise tun", sagte der Vorsitzende der Organisation, Aribert Peters. In diesem Jahr sei für einen durchschnittlichen Haushalt mit einer Kostensteigerung für Strom und Gas um 300 Euro zu rechnen.