Plutonium-Klau: Fehlt weiteres Material?

stern.de: Plutonium-Schmuggler narrte Sicherheitskräfte in der Wiederaufbereitungsanlage Karlsruhe.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Die Sicherheitsmängel in der stillgelegten Wiederaufbereitungsanlage Karlsruhe (WAK) sind offenbar noch eklatanter als bisher angenommen. Nach Informationen von stern.de hat der Arbeiter, der in der vergangenen Woche hochgiftiges Plutonium aus der Atomanlage geschmuggelt hat, dabei zu einem simplen Trick gegriffen. Seinen eigenen Angaben zufolge hat er nach Arbeitsschluss das Fläschchen mit der radioaktiven braunen Flüssigkeit vor der obligatorischen Kontrolle durch einen "Ganzkörper-Monitor" abgelegt, es nicht zur Prüfung gegeben und danach einfach in seine Hosentasche gesteckt.

Der Arbeiter, ein 49-jähriger gebürtiger Portugiese, lebt seit 20 Jahren in der Bundesrepublik und war mit einer pfälzischen Bäckerstochter verheiratet. Er leitete 20 Bäckerfilialen und galt in seinem Heimatort nahe Landau als gemachter Mann. Als seine Ehe scheiterte, ging es auch finanziell bergab. Er fand Arbeit in der Firma seines Bruders. Der ist Chef der Speyrer Firma, die mit Abrissarbeiten an der Wiederaufbereitungsanlage Karlsruhe beauftragt ist.

Wie stern.de weiter berichtet, waren erst vor wenigen Wochen sowohl im Stuttgarter als auch im Berliner Umweltministerium anonyme Hinweise auf "große Missstände" in der Karlsruher Atomanlage eingegangen. Der Vorwurf: Fremdpersonal sei in Sicherheitsfragen gar nicht geschult worden. Gegenüber stern.de räumte das Stuttgarter Umweltministerien Mängel ein, die allerdings rasch behoben worden seien. Nähere Angaben wollte das Ministerium nicht machen.

Die pfälzischen Behörden schließen nicht aus, dass der 49-jährige Portugiese weiteres Nuklearmaterial aus der WAK geschmuggelt haben könnte. Einige technische Anlagen bestehen aus wertvollen Platinteilen - und die sind offenbar Cäsium-belastet. Die Ermittler in Mainz gehen auch der Frage nach, ob der Mann das gefährliche Material für eine Erpressung nutzen wollte, um an Geld zu kommen.

Der Chef der Speyrer Abrissfirma ist fassunsglos: "Ich habe keinen Bruder mehr. Er hat eine unverzeihliche Dummheit begangen. Er muss psychisch krank sein."