Gemeinschaftsunternehmen

Pläne für neuen Ruhr-Konzern ins Stocken geraten

Die Pläne für einen neuen Energieversorger im Ruhrgebiet unter dem Dach der Gelsenwasser AG sind ins Stocken geraten. Das ursprüngliche Vorhaben, bis zum Sommer mit den Stadtwerken Bochum und Dortmund sowie RWE zu einer Entscheidung zu kommen, könne nicht eingehalten werden.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Gelsenkirchen (ddp-nrw/sm) - Gelsenwasser rechnet damit, dass die Pläne für das "Unisono II" betitelte Projekt erst nach den Kommunalwahlen 2009 konkretisiert werden, sagte der Gelsenwasser-Vorstandschef Manfred Scholle. Zu den "offenen Fragestellungen" gehört Scholle zufolge die Einbindung von RWE als Mitgesellschafter der Dortmunder Energie- und Wasserversorgung (DEW21). Scholle sprach von "komplexen" Gesellschafterfragen, die jetzt "ohne Zeitdruck" geklärt würden. An dem neuen Unternehmen soll RWE nach Berichten mit rund 20 Prozent beteiligt werden - im Tausch für seine 47 Prozent an der DEW21.

Nach den Plänen soll aus Gelsenwasser sowie den Stadtwerken Bochum und Dortmund ein national und international konkurrenzfähiges Gemeinschaftsunternehmen geschmiedet werden. Die Gelsenwasser AG soll dabei als Holding fungieren und neue Gesellschaften für Energie (Strom, Erdgas), Wasser und Abwasser sowie eine Netzgesellschaft bündeln. Die Städte Bochum und Dortmund haben über ihre Stadtwerke bereits einen Anteil von über 90 Prozent an der börsennotierten Gelsenwasser AG. An der Entscheidung über ein Gemeinschaftsunternehmen sind deshalb auch die Stadträte der beiden Kommunen beteiligt.

Mit dem Vorhaben wollen die Kooperationspartner ihre Marktposition verbessern und Kosten einsparen. Dabei soll es eine engere Verzahnung beim Handel und Vertrieb von Energie, beim Betrieb der Strom- und Gas-Netze sowie beim Betrieb der Wasser- und Abwasser-Anlagen und -Netze geben.

Unabhängig von diesen Plänen sieht sich Gelsenwasser als einer der größten deutschen Trinkwasserversorger für die Zukunft gut aufgestellt. Durch neue Konzessionsverträge mit den Kommunen Altenberge, Havixbeck, Senden und Herten sei das Kerngeschäft Wasser weiter gestärkt worden, berichtete Scholle. "Die kommunale, mittelständische Aufstellung von Gelsenwasser ist ein Garant, dieses Geschäft erfolgreich fortzusetzen", fügte er hinzu.

Scholle sicherte stabile Trinkwasserpreise für dieses Jahr sowie für 2009 zu. Beim Gas hatte das Unternehmen bereits zum Jahresanfang Preisanhebungen zum 1. Mai angekündigt. Weitere Erhöhungen schließt das Unternehmen angesichts der Entwicklung auf den Ölmärkten nicht aus. "Wir können hier nur von Halbjahr zu Halbjahr entscheiden", sagte Scholle.

Nach der vorgelegten Bilanz fuhr Gelsenwasser 2007 einen gegenüber dem Jahr zuvor um 13,3 Millionen Euro auf 89,2 Millionen gesunkenen Gewinn ein. Als Grund führte das Unternehmen Sondereffekte beim Personalaufwand an. Wetterbedingt schrumpfte der Umsatz wegen des schlechten Sommers und eines deshalb gesunkenen Trinkwasserabsatzes um 28,3 Millionen Euro auf 442,7 Millionen Euro.