Strom-News
Web2EnergyEin Konsortium aus zehn europäischen Unternehmen will in Südhessen die Kommunikationsstandards für die intelligenten Stromnetze (Smart Grids) der Zukunft erarbeiten. Das Projekt wurde kurz nach Eintreffen des ersten EU-Bewilligungsbescheids jetzt der Öffentlichkeit vorgestellt.
Darmstadt (red) - Die Anforderungen sind groß: Immer mehr Strom aus regenerativen Quellen wird in das Netz eingespeist. Dieses Stromaufkommen unterliegt jedoch starken Schwankungen. Das schwankende Stromangebot muss mittels moderner Informations- und Kommunikationstechnologie mit dem Stromverbrauch in Einklang gebracht werden.
Das auf drei Jahre angelegte Forschungsprojekt kostet rund fünf Millionen Euro. 2,9 Millionen Euro steuert die Europäische Union bei – den Rest teilen sich die beteiligten Unternehmen aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Niederlande und Polen. Die Leitung des Projektes mit dem Titel "Web2Energy" liegt bei der Darmstädter Heag Südhessische Energie AG (HSE).
Bis die intelligenten Netze jedoch flächendeckend zur Verfügung stehen, sei noch viel Grundlagenarbeit notwendig. So gibt es bislang keinen einheitlichen Kommunikations- und Datenstandard, über den alle Akteure im Stromnetz kommunizieren können. Hier soll das Forschungsprojekt ansetzen. Im Projekt sollen Lösungen für die drei zentralen Bereiche intelligente Zähler, intelligentes Energiemanagement und intelligente Fernwirktechnik entwickelt und unter Praxisbedingungen getestet werden.
Mehrere hundert Stromkunden aus verschiedenen Baugebieten in Darmstadt-Eberstadt, Ober-Ramstadt, Groß-Bieberau, Münster, Eppertshausen und Schaafheim erhalten intelligente Stromzähler (Smart Meter), die den Stromverbrauch zeitabhängig erfassen und aus der Ferne abgelesen werden können. Darüber hinaus können die Zähler variable Stromtarife verarbeiten und über Schnittstellen intelligente Gebäudetechnik steuern. Damit kann der Stromverbrauch stärker an das aktuelle Stromangebot angepasst werden.
Weiterhin gilt es über ein intelligentes Energiemanagement, die wachsende Zahl der dezentralen Energieerzeuger zu koordinieren und ihre Leistung als virtuelles Kraftwerk bereitzustellen. Hierzu werden HSE-eigene Biogasanlagen, Photovoltaikanlagen und Blockheizkraftwerke sowie Wasserkraftanlagen am Neckar zur Laststeuerung zusammengeschaltet. Gleichzeitig sollen innovative Speichertechnologien Lücken zwischen Stromangebot und Stromnachfrage überbrücken.
Ein weiterer Ansatzpunkt: Wenn Versorgungsunterbrechungen auftreten, müssen zur Ortung und Beseitigung der Störung zahlreiche Ortsnetzstationen einzeln angefahren werden. Im Rahmen des Projektes sollen über eine intelligente Fernwirktechnik diese Abläufe automatisiert und damit erheblich verkürzt werden.
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