Grünes Licht

Philippsburg darf wieder anfahren

Die Untersuchungen zu den Ereignissen in Block 2 des EnBW-Kernkraftwerks Philippsburg haben gezeigt, dass es insgesamt zu einer Reihe von fehlerhaften Handlungen gekommen ist. Der Maßnahmenkatalog wurde jetzt jedoch soweit erfüllt, dass die Anlage wieder angefahren werden darf.

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"Nach Vorlage der von der Aufsichtsbehörde verlangten vertieften Analyse der meldepflichtigen Ereignisse und des Maßnahmenpakets, mit dem die Energie Baden-Württemberg AG auf die Mängel in der Betriebsführung reagiert hat, steht einem Wiederanfahren von Block 2 des Kernkraftwerkes Philippsburg nichts mehr im Wege." Das hat jetzt das baden-württembergische Umwelt- und Verkehrsministerium erklärt.

"Ich denke, dass aus diesem Vorfall, der für die EnBW sehr teuer gekommen ist, nicht nur die EnBW, sondern die ganze Branche Konsequenzen zieht und ihr Qualitäts- und Sicherheitsmanagement verbessert. Ein Kernkraftwerk muss nicht nur über eine zuverlässige Technik verfügen, es muss auch sichergestellt sein, dass klare und eindeutige betriebliche Regelungen vorliegen, die dann vom Betriebspersonal genau eingehalten werden", ergänzte Umwelt- und Verkehrsminister Ulrich Müller. Nach Mitteilung des Ministeriums hat die Untersuchung der Ereignisabläufe bei KKP 2 gezeigt, dass es insgesamt zu einer Reihe von fehlerhaften Handlungen, Fehlern in der Einschätzung und im Umgang mit Problemen gekommen ist. Weiter seien Mängel in den schriftlichen betrieblichen Regelungen zu Tage getreten, ebenso Schwächen bei der betreiberseitigen Eigenkontrolle der Betriebsführung und in der Organisation des Erfahrungsrückflusses aus der Betriebsführung. Im Vorfeld des Wiederanfahrens seien jedoch eine Reihe von technischen, personellen und organisatorischen Maßnahmen umgesetzt worden. Dazu gehören etwa die Durchführung einer vertieften Ursachenanalyse der Ereignisse, die Ablösung des verantwortlichen Leiters der Anlage sowie des verantwortlichen Schichtleiters, die systemtechnische gegenseitige Verriegelung der beiden betroffenen Armaturen im Borsäuresystem, die für das Unterborierungsereignis ursächlich waren und die Erarbeitung eines detaillierten Anfahrplanes mit Haltepunkten für Prüfungen während des Anfahrens. Nach Überzeugung der Teilnehmer der Besprechung sind diese Maßnahmen geeignet, um Fehler und Fehlentscheidungen, wie sie im August 2001 vorgekommen sind, sicher auszuschließen.

Zur umfassenden Verbesserung des Sicherheitsmanagements im Kernkraftwerk Philippsburg insgesamt sollen nach den Vorstellungen des Ministeriums für Umwelt und Verkehr folgende mittel- und längerfristigen Maßnahmen umgesetzt werden:die umfassende Überarbeitung des gesamten Betriebshandbuchs mit dem Ziel eindeutiger, klarer und unmissverständlicher Festlegungen, die Einrichtung einer wirksamen betreiberseitigen Kontrolle der Betriebsführung insbesondere im Hinblick auf die Einhaltung der Betriebsvorschriften sowie die Regelung des Erfahrungsrückflusses aus der Betriebsführung zur kontinuierlichen Verbesserung der Betriebsführung selbst und der Festlegungen im Betriebshandbuch.