Energiepolitik

Pfister fordert von Bund verlässliche Rahmenbedingungen

Die Bundesregierung muss schnell für realistische und verlässliche energiepolitische Rahmenbedingungen sorgen, die die Ziele Umweltverträglichkeit, Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit in Einklang bringen, so die Forderung von Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Ernst Pfister.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Stuttgart (red) - "Unrealistische Rahmenbedingungen haben zu jahrelanger Zurückhaltung bei Ausbau und Erneuerung von Netzen und Kraftwerken geführt", kritisierte der Wirtschaftsminister Baden-Württembergs gestern anlässlich des energiepolitischen Spitzengesprächs im Stuttgarter Haus der Wirtschaft. Die Sicherheit der zukünftigen Stromversorgung hänge neben "modernen und leistungsfähigen Stromnetzen" entscheidend von " ausreichenden Erzeugungskapazitäten" ab, so der Minister.

Er wies darauf hin, dass in absehbarer Zeit eine Reihe von Kohlekraftwerken in Baden-Württemberg altersbedingt stillgelegt werden müssen. Komme es zusätzlich zum beabsichtigten Ausstieg aus der Kernenergie, werde der Ersatzbedarf bis zum Jahr 2010 etwa 2.000 Megawatt betragen und danach bis 2030 auf rund 7.500 Megawatt ansteigen, wobei die Nutzung von Einsparpotenzialen bereits berücksichtigt sei. Demnach müsse der Pro-Kopf-Energieverbrauch in Baden-Württemberg in den nächsten zehn Jahren um 20 Prozent gesenkt werden sowie der Anteil erneuerbarer Energien bis 2020 auf 20 Prozent steigen.

"Ich bin fest überzeugt, dass Baden-Württemberg einer enormen Energielücke entgegensteuert, sofern es beim beabsichtigten Kernenergieausstieg bleibt. Deshalb plädiere ich für eine Verlängerung der Laufzeiten der Kernkraftwerke unter der Maßgabe, dass die Hälfte des daraus entstehenden Profits in den Ausbau der erneuerbaren Energien fließt", so Pfister.

Eine zunehmende Bedeutung misst er künftig dezentralen Energieerzeugungsanlagen bei. Diese könnten mittels geeigneter Kommunikations- und Energiemanagementsysteme im koordinierten Betrieb zu virtuellen Kraftwerken zusammengeschaltet werden und auf diese Weise über die verbrauchsnahe Versorgung hinausgehende energiewirtschaftliche Aufgaben wie die Bereitstellung von Regelleistung und andere mehr übernehmen. Nötig dafür seien jedoch sichere Stromnetze. Daher müsse der Netzsicherheit auch künftig größte Bedeutung beigemessen werden. "Deutschland und Baden-Württemberg sind heute Weltmeister in der Sicherheit der Stromnetze", betonte Pfister. "Diese Position sollten wir auf jeden Fall halten."