In Landau

Pfalz startet zweite Bohrung für Geothermie-Kraftwerk

Mit dem Start der zweiten Bohrung ist gestern im pfälzischen Landau die Grundlage für das erste industrielle Erdwärmekraftwerk in Rheinland-Pfalz gelegt worden. Umweltministerin Margit Conrad (SPD) sprach von einem "Meilenstein". Ist die Bohrung erfolgreich, könnten bereits 2007 etwa 5000 Haushalte versorgt werden.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Landau (ddp-rps/sm) - Die Dampfwolke blieb unter dem Deckel: Bei der zweiten Bohrung für ein Erdwärmekraftwerk im pfälzischen Landau durften die Gäste vor allem den rund 50 Meter hohen Bohrturm bestaunen. Die Betreiberfirma Geox hatte bereits am Wochenende mit der Herstellung des zweiten Tunnels in das Erdinnere begonnen. Die Geldgeber - Pfalzwerke und Energie Südwest - haben es eilig: Bereits 2007 soll ein Erdwärmekraftwerk in Landau rund 5000 Haushalte mit Strom und rund 500 Haushalte mit Wärme versorgen. Die Landesregierung will die Region im Oberrheingraben zur Referenzregion für Geothermie in Deutschland ausbauen.

"Wir sind Island - wir haben Schnee, Eis und einen heißen Geysir", begrüßte der Landauer Oberbürgermeister Christof Wolff (CDU) am Donnerstag bei Schnee und eisigen Temperaturen die Gäste auf dem Gelände der ehemaligen Panzerwerkstätten. In 3000 Meter Tiefe waren die Ingenieure vergangenen August auf 150 Grad heißes Wasser gestoßen - Kraftwerke in anderen Erdwärmeregionen in Deutschland müssen mit knapp 100 Grad auskommen. Grund sei eine "geologische Anomalie", verkündete Wolff stolz: Im Oberrheingraben sammele sich Grundwasser und werde durch heiße, vom Magma des Erdkerns erhitzten Gesteinsschichten zu Wasserdampf verwandelt, "wie in einem Durchlauferhitzer".

Bekannt wurde die Hitze aus dem Erdinnern durch die Erdölförderung: Seit 50 Jahren wird im Oberrheingraben das schwarze Gold aus der Erde geholt, derzeit noch etwa 20 000 Tonnen pro Jahr. Durch die Suche wussten die Geologen auch von den heißen Wasserschichten im Gestein, Förderung und Nutzung erwiesen sich aber als kein leichtes Unterfangen: Von "schwierigen Verhandlungen" mit den Energieunternehmen und vertagten Aufsichtsratssitzungen berichtete Wolff und dankte den Investoren für ihren "Mut zum Risiko".

Auch die Bohrungen selbst bleiben riskant: "In Speyer wollten sie heißes Wasser, und bekamen Erdöl", berichtet Wolff von daneben gegangenen Probebohrungen. Im nur drei Kilometer entfernten baden-württembergischen Offenbach setzten die Ingenieure ihre Bohrer sogar buchstäblich in den Sand. "Die Geologen waren noch nie unten, die Pfarrer noch nie oben", verdeutlichte Werner Hitschler vom Vorstand der Pfalzwerke das Risiko. Dennoch seien die Bohrungen "kein Forschungsvorhaben: Wir wollen damit ab 2007 Geld verdienen", betonte er.

Bereits im kommenden Jahr soll das Erdwärmekraftwerk eine elektrische Leistung von zwei bis 2,5 Megawattstunden erreichen. Die heiße Energie soll im Kraftwerk Turbinen zur Stromerzeugung antreiben sowie anschließend zur Wärmegewinnung genutzt werden. Durch ein zweites Loch wird dann das auf rund 50 Grad abgekühlte Wasser wieder in den Boden geleitet. Rund 15 Millionen Euro kostete das Vorhaben, der Bund gibt etwa eine Million Euro dazu. Rheinland-Pfalz half mit einer halben Million Euro Risikokapital.

Es sei ihr "piepschnurzegal", ob sich die Prognosen für die effektive Nutzung der Erdwärme "um zehn oder 15 Jahre verschätzen", verteidigte Umweltministerin Margit Conrad (SPD) am Donnerstag die Investition: Die Geothermie sei schadstofffrei und klimaneutral und könne "Antwort geben auf die Energiefragen der Zukunft". Langfristig gesehen könne sich die Region "komplett selbst mit Strom versorgen", prophezeite Conrad.

Für eine effektive Nutzung vor allem der Wärme aus dem Erdboden sind allerdings Wärmenetze notwendig. Das Land will den Aufbau dieser Netze nun stärker fördern und Strategien für neue Versorgungskonzepte entwickeln. Zur weiteren Erforschung der Geothermie-Förderung wird zudem gerade eine neues Institut in Zusammenarbeit zwischen der Universität Mainz und der Fachhochschule Bingen gegründet.

Von ddp-Korrespondentin Gisela Kirschstein