Einigung

Peter Terium wird Großmann-Nachfolger bei RWE

Der Aufsichtsrat des zweitgrößten deutschen Energiekonzerns RWE hat sich nach schwierigen Verhandlungen auf den Niederländer Peter Terium als nächsten Vorstandsvorsitzenden geeinigt. Terium soll im September in den Vorstand eintreten und Stellvertreter des derzeitigen Chefs Jürgen Großmann werden.

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Essen (dapd/red) - Zum 1. Juli 2012 werde der Niederländer dann den Vorsitz übernehmen. Großmann tritt somit etwas früher ab als bislang geplant, sein bisheriger Vertrag läuft noch bis September 2012.

Zuvor waren immer wieder Nachrichten über Querelen innerhalb des RWE-Kontrollgremiums nach außen gedrungen. Die "Rheinische Post" berichtete, der Aufsichtsratsvorsitzende Manfred Schneider und das Aufsichtsratsmitglied Paul Achleitner hätten damit gedroht, ihre Ämter niederzulegen, wenn Terium, der Vorstandschef der niederländischen RWE-Tochter Essent, nicht ernannt werde.

Rolf Martin Schmitz wird Stellvertreter

Im Kern ging es bei dem Streit laut Medienberichten um unterschiedliche Interessen von freien und kommunalen Aktionären. Die Kommunen, die über 20 Prozent an RWE halten, lehnten demnach Terium ab und wünschten sich Rolf Martin Schmitz, den derzeitigen RWE-Vorstand für das operative Geschäft, an die Konzernspitze. Die nun gefundene Einigung sieht vor, dass Schmitz ab dem 1. Juli 2012 Stellvertreter Teriums wird. Der 54 Jahre alte Manager ist seit 2009 Mitglied des RWE-Vorstands.

Terium war in Deutschland bislang weitgehend unbekannt. Seit 2009 ist der 47-Jährige Vorsitzender des Vorstandes des Versorgers Essent. Seine Aufgabe wird es sein, den Konzern wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Dazu werden größere Umstrukturierungen nötig sein. Derzeit verdient RWE sein Geld vor allem mit Strom aus fossilen Energien und mit Kernkraft - ein Geschäftsmodell, das wegen des Atomausstiegs und der Einführung teurer CO2-Zertifikate bedroht ist.

Einigung nach Querelen

"Mit Peter Terium haben wir aus einer Vielzahl guter Kandidaten einen hervorragenden Manager ausgewählt, der den RWE-Konzern seit vielen Jahren in verschiedenen Führungsfunktionen kennengelernt hat und der vor allem die erforderliche internationale und operative Erfahrung mitbringt", sagte Schneider.

Zuletzt hatte der Machtkampf um die Großmann-Nachfolge bei Anlegern Besorgnis ausgelöst. Der Aktionärsschützer Ulrich Hocker rief den RWE-Aufsichtsrat zu einer schnellen Einigung auf. Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) ermahnte das Kontrollgremium, das Wohl des Unternehmens über Einzelinteressen zu stellen. Eine öffentliche Diskussion wie zuletzt schade allen Anlegern, sagte Hocker der Nachrichtenagentur dapd.