Klimaschäden

Peruanischer Bauer droht RWE mit Klage

Ein peruanischer Bauer fordert Geld für Klimaschäden vom Energiekonzern RWE und will notfalls bis vor ein deutsches Gericht ziehen. 20.000 Euro will der Landwirt haben, da ein Gletscher in seiner Nähe abzuschmelzen droht. An den Sicherungsmaßnahmen soll der Treibhausgas-Verursacher RWE sich beteiligen.

Klimaschutz© chuck / Fotolia.com

Berlin (AFP/red) - Ein Landwirt aus Peru droht dem Energiekonzern RWE nach Angaben der Organisation Germanwatch mit einer Klage wegen lokaler Folgeschäden durch den Klimawandel. Der Mann fordere den Kohlekraftwerksbetreiber auf, sich an der Finanzierung von Sicherungsmaßnahmen wegen das Abschmelzen eines Anden-Gletschers nahe seines Hauses zu beteiligen, teilte die auf Klimawandel und Entwicklung spezialisierte Vereinigung am Montag in Berlin mit. Reagiere RWE nicht, wolle er in Deutschland vor Gericht ziehen und so die geforderten 20.000 Euro erstreiten.

Durch Eisschmelze droht Flutkatastrophe

Nach Angaben von Germanwatch ist das Geld dafür gedacht, Wasser aus einem schnell anschwellenden Gletschersee über der Stadt Huarez abzupumpen sowie dessen Dämme zu verstärken. Demnach droht eine Flutkatastrophe, weil aufgrund der Eisschmelze jederzeit große Eisblöcke in den See stürzen könnten. Das Abschmelzen der Gletscher in den Anden gehe wiederum auf den Klimawandel zurück, betonte die Organisation. RWE sei als einer der größten Treibhausgasemittenten in Europa dafür mitverantwortlich.

Das Unternehmen äußerte sich am Montag zunächst nicht zu der Forderung. Es warte auf den Eingang entsprechender Schriftstücke, sagte ein RWE-Sprecher. Erst nachdem man diese analysiert habe, könne man weiter Stellung nehmen.

"Verantwortung für Risiken übernehmen"

Die Forderung und die etwaige Klage des Bauern wegen des Klimawandels wären laut Germanwatch eine Premiere in Deutschland und Europa. "Marktwirtschaft kann ohne das Verursacherprinzip nicht funktionieren. Wer Risiken erzeugt, muss auch Verantwortung dafür übernehmen", erklärte der politische Geschäftsführer Christoph Bals. Die Organisation unterstützt den Bauern namens Saul Luciano Lliuya nach bei seinem Anliegen.

Die von RWE eingeforderten 20.000 Euro stellen laut Germanwatch nur ein Bruchteil der für Schutzmaßnahmen erforderlichen Summe dar. Dieser orientiert sich aber an den insgesamt RWE zuzurechnenden Menge des weltweiten CO2-Ausstoßes.

Einer der größten Verschmutzer

Germanwatch zitierte ferner eine Untersuchung, wonach der Essener Energiekonzern angeblich für 0,5 Prozent der weltweit seit Beginn der Industrialisierung entstandenen Treibhausgasemissionen verantwortlich sein soll. Nach einer Analyse der Unternehmensberatung PwC war RWE im vergangenen Jahr mit einem Ausstoß von 140 Millionen Tonnen CO2 der größte Verschmutzer in Europa, senkte diesem im Vergleich zum Vorjahr aber um elf Prozent.

Quelle: AFP