Jahresrückblick

Pannenserie in den AKW Brunsbüttel und Krümmel

"Krümmel brennt!" Diese zwei Worte ließen im Sommer die Alarmglocken schrillen. Die Nachricht vom Brand in dem Atommeiler war der Auftakt eines wochenlangen Streits um die Sicherheit der von Vattenfall Europe betriebenen AKW Krümmel und Brunsbüttel. Und der Auftakt einer Serie von Pannen.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Geesthacht/Brunsbüttel (ddp/sm) - Am 28. Juni um exakt 15.02 Uhr löste ein Kurzschluss im Atomkraftwerk Krümmel einen Transformatorbrand aus, wurde der Meiler mit einer Schnellabschaltung heruntergefahren. Krümmel war bereits der zweite Reaktor im nördlichsten Bundesland, der an diesem Tag vom Netz ging. Nur zwei Stunden zuvor, kurz nach 13.00 Uhr, hatte eine Netzstörung die Schnellabschaltung des Reaktors in Brunsbüttel an der Unterelbe ausgelöst.

Der symbolträchtige Brand in Krümmel hat die Diskussion über den politisch bereits beschlossenen Ausstieg aus der Kernenergienutzung in Deutschland neu entfacht. Befürworter des Ausstiegs erhielten vor allem durch die zunächst nur scheibchenweise Informationspolitik des Stromkonzerns Rückenwind. Allen voran erhob Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) schwere Vorwürfe gegen Vattenfall. In den Fokus der Kritik rückte aber nicht nur der AKW-Betreiber, sondern auch das für Reaktoraufsicht zuständige Kieler Sozialministerium und seine Ressortchefin Gitta Trauernicht (SPD). Der Vorwurf: Das Ministerium halte Informationen zurück.

Kritik an unzureichender Informationspolitik

Sah es anfangs nach einem "harmlosen" Trafobrand außerhalb des Reaktorgebäudes aus, wurden erst knapp eine Woche nach dem Feuer Probleme im Zuge des Herunterfahrens bekannt. Von einem "schnellen Druck- und Füllstandsabfall im Reaktordruckbehälter" war die Rede. Vor dem Sozialausschuss des Kieler Landtags rechtfertigte Trauernicht ihre Informationspolitik am 5. Juli damit, angesichts negativer Erfahrungen mit Vattenfall keine ungeprüften Informationen weitergeben zu wollen. Ihr Haus habe am 29. Juni "lediglich Stichworte" über die Störungen bekommen.

Mitte Juli rückte Vattenfall dann sogar in den Blickpunkt der Staatsanwaltschaft. Sie ermittelte wegen Verdachts der gefährlichen Körperverletzung. Hintergrund waren Berichte über Rauch in der Leitwarte des Atommeilers und mögliche Verletzte. Erst als Kriminalbeamte mit einem Durchsuchungsbefehl anrückten, gestattete der Energiekonzern eine Befragung des Reaktorfahrers.

Konsequenzen: Vattenfall-Chef und Atomspartenchef müssen gehen

Wenige Tage später zog der schwedische Vattenfall-Mutterkonzern personelle Konsequenzen: Der Geschäftsführer der Atomsparte, Bruno Thomauske, und später auch Vattenfall-Europe-Chef Klaus Rauscher mussten gehen. Zuvor hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Informationspolitik des Konzerns als "nicht akzeptabel" kritisiert. Der Energieriese hat sich mittlerweile als lernfähig gezeigt und ist dadurch zum Opfer der eigenen offensiven Informationspolitik geworden: Bereits siebenmal musste das Unternehmen seit dem Herunterfahren von Krümmel über meldepflichtige Ereignisse informieren, sechsmal im Fall des AKW Brunsbüttel. Alle wurden in die Kategorie "N" (Normal) eingestuft.

Krümmel und Brunsbüttel immernoch nicht am Netz

Nach mehreren Problemen musste Brunsbüttel am 18. Juli erneut heruntergefahren werden und ist seither wie Krümmel ebenfalls vom Netz. Die beiden bereits abgeschriebenen Meiler verursachen laut Vattenfall durch ihren Stillstand gemeinsam einen täglichen Produktionsausfall von bis zu einer Million Euro. Dies wird nach Angaben der Kieler Atomaufsicht auch vorerst so bleiben. Auch wenn eine von Vattenfall eingesetzte Expertenkommission bei beiden Atommeilern zwischenzeitlich "die organisatorischen und technischen Voraussetzungen für einen sicheren Weiterbetrieb der Kraftwerke gegeben" sieht. Der Betreiber hatte jüngst eingeräumt, dass die Meiler nicht vor Anfang März wieder angefahren werden.

Einen Vorteil bietet der Stillstand für Vattenfall zumindest im Fall Brunsbüttel. Die im Atomkonsens vereinbarte endgültige Abschaltung des Reaktors hat sich dadurch bereits vom Frühjahr 2009 auf Ende 2009 verschoben. Damit kann der Atommeiler schon mal bis zur nächsten Bundestagswahl am Netz bleiben.