Scharfe Kritik

Pannen in Atomkraftwerken: Ausstiegsforderungen werden lauter

Nach einer Pannenserie in deutschen Atomkraftwerken sehen sich Gegner der Atomtechnik bestätigt. Am Freitag waren die Atomkraftwerke Emsland in Niedersachsen und Philippsburg in Baden-Württemberg abgeschaltet worden. Zudem wurde bekannt, dass Krümmel im Juni offenbar unter Missachtung der Vorschriften angefahren wurde.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Berlin (ddp-bwb/red) - Die Abschaltung des AKW Emsland wurde nach Betreiberangaben durch die Überwachungseinrichtung an einem Maschinentrafo ausgelöst. Wie der Betreiber RWE bestätigte, soll das Kraftwerk frühestens im Laufe der Woche wieder angefahren werden.

Grund für die Abschaltung eines Blocks des Kraftwerks Philippsburg war laut Betreiber EnBW die Suche nach einem möglichen Fehler im Bereich der Transformatoren. Seit Sonntagnachmittag ist das der Block wieder am Netz, teilte EnBW mit. Die Ölproben wurden zwischenzeitlich im hausinternen Labor sowie in einem externen Institut ausgewertet. Sie entsprechen den vorgegebenen Normen und Richtwerten, so dass KKP 2 wieder ans Netz genommen werden konnte.

8 von 17 AKW vom Netz: Es geht auch ohne

Nach Ansicht der Grünen belegen die Vorfälle der vergangenen Tage, dass der Ausstieg aus der Atomenergie der einzig verantwortbare Weg sei. "Die ältesten acht Atommeiler müssen sofort stillgelegt werden, denn von ihnen geht das größte Risiko aus", sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Jürgen Trittin. Der Union warf er vor, mit ihrer Forderung nach Laufzeitverlängerung "ausgerechnet für diese Atomkraftwerke", weitere Störfälle zu riskieren.

Umweltschützern bekräftigten, dass die Abschaltung der Atomkraftwerke Emsland und Philippsburg die Verzichtbarkeit von Atomkraft. Am Wochenende waren 8 der 17 deutschen Atomkraftwerke vom Netz, sagte der Sprecher der bundesweiten Initiative "Ausgestrahlt", Jochen Stay. "Wären wir für eine sichere Stromversorgung wirklich auf die störanfällige Atomtechnik angewiesen, dann sähe es jetzt schlecht aus", fügte Stay hinzu.

Union: Betreiber müssen ihre Auflagen erfüllen

Die Union nahm die Betreiber in die Pflicht, die Sicherheit der Kraftwerke zu gewährleisten. Deutschland habe die höchsten Sicherheitsstandards, sagte die stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Katherina Reiche (CDU), und fügte hinzu: "Die Betreiber von Kraftwerken dürfen keinen Zweifel aufkommen lassen, dass sie jederzeit ihre Auflagen erfüllen." Deutschland könne mittelfristig nicht auf Atomkraft verzichten, weil sie 30 Prozent der Stromerzeugung ausmache.

Kritik äußerte Reiche allerdings an der Atomaufsichtsbehörde in Schleswig-Holstein, "die über die Vorfälle in Krümmel nicht immer gut informiert gewesen zu sein schien". So habe das Ministerium behauptet, bei der Panne in Krümmel habe es sich um einen Störfall gehandelt. Wenn dem so gewesen wäre, hätte die Atomaufsichtsbehörde jedoch handeln müssen, sagte Reiche. Wenn es sich nur um meldepflichtiges Ereignis gehandelt habe, sei es fahrlässig von einem Störfall zu sprechen.

Magazin: Krümmel unrechtmäßig angefahren

Unterdessen berichtete der "Spiegel" unter Berufung auf das Kieler Sozialministerium, dass das Kraftwerk Krümmel in Niedersachsen Mitte Juni offenbar unter Missachtung von Vorschriften wieder angefahren wurde. Bereits 2007 sei bekanntgeworden, dass Metallspäne vier Brennelemente im Reaktor beschädigt haben sollen. Als Konsequenz habe das Ministerium ein Sicherheitskonzept verlangt. Dieses sei allerdings bislang nur "teilweise umgesetzt" und werde "teilweise noch begutachtet", sagte der Sprecher des Kieler Sozialministeriums, Oliver Breuer. Trotzdem sei das AKW am 19. Juni wieder angefahren worden.