Demonstrierung

Ostermärsche: Abschaltung aller Kernkraftwerke gefordert

Zehntausende Demonstranten sind über die Osterfeiertage für den Ausstieg aus der Kernkraft auf die Straße gegangen. Atomkraftgegner versammelten sich am Ostermontag an zwölf Meilern, um die Stilllegung der Anlagen zu fordern.

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Berlin (dapd/red) - Anlass dieser Protest-Aktionen war der 25. Jahrestag der Atomkatastrophe von Tschernobyl. Die zentralen Forderungen der Protest-Märsche zu Ostern lauteten in diesem Jahr "Raus aus Afghanistan", "Ächtung aller Atomwaffen" und "Abschaltung aller Atomkraftwerke sofort". "Die Bilanz kann sich sehen lassen: Verglichen mit dem vergangenen Jahr verbuchten die meisten Ostermärsche eine Zunahme an Demonstranten, nur in wenigen Städten stagnierte die Zahl, nirgends gab es einen Rückgang", sagte ein Sprecher des Bundesausschusses Friedensratschlag.

"Ein Weckruf für die Politik"

Die größten Ostermärsche gab es nach Angaben der Veranstalter im westfälischen Gronau mit etwa 10.000 und in Berlin mit rund 4.000 Demonstranten. Hinzu kamen am Ostermontag zwölf große Protestaktionen an Atomkraftwerks- und Atommüll-Standorten. Der Geschäftsführer der Netzwerk Friedenskooperative, Manfred Stenner, sprach von einem "Weckruf für die Politik".

20.000 Atomkraftgegner bei Brückenaktion

Die Proteste der Atomkraftgegner reichten auch über Deutschland hinaus. Nach Angaben der Veranstalter beteiligten sich rund 20.000 Menschen an den Protesten in und um Frankreich. Sie forderten einen Ausstieg aus der Atomenergie und eine schnelle Stilllegung des Kraftwerks Fessenheim.

Das AKW mit zwei Reaktoren steht nur wenige Kilometer von der deutsch-französischen Grenze entfernt im Elsass, zahlreiche deutsche Gemeinden gehören bei einem Störfall zur Evakuierungszone. Bei einem Atomunfall in Fessenheim oder in der Schweiz, wo in unmittelbarer Nähe zur deutschen Grenze die AKW Beznau und Leibstadt stehen, wären alle Brücken dicht und die Menschen könnten nicht so leicht aus der Gefahrenzone flüchten, warnte das Aktionsbündnis.

Akw-Gegner an den größten Kraftwerken

An einem Sternmarsch in der südhessischen Gemeinde Biblis nahmen mehrere tausend Anti-AKW-Aktivisten teil. In Norddeutschland demonstrierten mehrere zehntausend Atomkraftgegner an den Kernraftwerken Brunsbüttel, Grohnde, Krümmel und Unterweser und am geplanten Endlager Schacht Konrad für den Atomausstieg. Tausende umzingelten das AKW Grohnde symbolisch. Der Veranstalter zählte 20.000 AKW-Gegner, die Polizei sprach von lediglich 4.500 friedlich Protestierenden. Viele AKW-Gegner fuhren in Konvois von Fahrrädern, Bussen oder Traktoren zu den Atomanlagen.