Orkan "Lothar": Über 20 Millionen Mark Schaden am EnBW-Stromnetz in Baden-Württemberg

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com
Der Orkan "Lothar" hat am Stromnetz der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) Schäden in Höhe von weit über 20 Millionen Mark verursacht. Dies geht aus einer vorläufigen Bilanz hervor, die der Netzbetreiber, die EnBW Regional AG, jetzt aufgrund erster Schätzungen gezogen hat. Betroffen waren von sturmbedingten Stromausfällen am zweiten Weihnachtsfeiertag zeitweise bis zu einer halben Million EnBW Kunden in Baden-Württemberg.



Die meisten Schäden richtete "Lothar" an Freileitungen im sogenannten Mittel- und Niederspannungsbereich an, also im regionalen Verteilernetz und innerhalb der Ortsnetze. Insgesamt kam es hier im Netzbereich der EnBW Regional AG zu über 7500 Leitungsschäden. Masten knickten um, Leiterseile rissen oder wurden von umstürzenden Bäumen zu Boden gedrückt, unzählige Dachständer an Gebäuden beschädigt, oftmals kam es auch zu Kurzschlüssen durch zusammenschlagende Leitungen. Darüber hinaus wurden in Umspannanlagen und Schaltwerken zehn Schadensfälle registriert, in Ortsnetzstationen rund 70.



Aufgrund dieser Sturmschäden wurden zahlreiche Gemeinden, kleinere Teilorte, ganze Straßenzüge und zahlreiche Aussiedlerhöfe von der Stromversorgung abgeschnitten. Betroffen waren unmittelbar nach dem Sturm, der am 26. Dezember 1999 ab etwa 10 Uhr von West nach Ost über das Land fegte, knapp eine halbe Million Kunden. Die Reparaturarbeiten am Netz wurden unverzüglich eingeleitet und unter Einsatz aller Personalreserven energisch vorangetrieben - unter zum Teil schwierigsten äußeren Bedingungen. Das Ergebnis: Bereits am Abend des 26. Dezember 1999, also nach acht Stunden, waren noch rund 110.000 Kunden ohne Strom, nach 24 Stunden nur noch 30.000. Allerdings blieben in der Folgezeit trotz der Anstrengungen der Reparaturtrupps in den Höhenlagen des Schwarzwaldes und der Schwäbischen Alb, wo unzugängliches Gelände, unpassierbare Straßen und weiterhin drohender Sturm- und Schneebruch die Arbeiten behinderten, vereinzelt Versorgungsunterbrechungen noch tagelang bestehen. In diesen Fällen kamen, etwa in landwirtschaftlichen Betrieben, zur Aufrechterhaltung lebensnotwendiger Funktionen Notstromaggregate zum Einsatz.



Auch das großräumige Verteilernetz der EnBW litt unter "Lothar". So sind an den Hoch- und Höchstspannungsleitungen 26 Störungen aufgetreten, wobei sich daraus im 220-/380-kV-Bereich keine, im 110-kV-Bereich nur vorübergehende Versorgungsunterbrechungen ergaben. Diese Stromkreise sind in der Regel so abgesichert, dass Ausfälle einzelner Leitungen durch Umschaltmaßnahmen überbrückt werden konnten. Allerdings sind die Sachschäden an Hochspannungsleitungen, etwa an der 110-kV-Trasse Haisterkirch-Leutkirch, der Höhe nach beträchtlich.



Insgesamt waren an der "Orkanfront" im Netzbereich der EnBW über 1000 eigene Mitarbeiter und weitere 260 Beschäftigte von Firmen, mit denen die EnBW kooperiert, eingesetzt. Die Reparaturen am Netz - von den Überlandleitungen im Hochspannungsbereich bis zu den Ortnetzleitungen - werden noch Wochen in Anspruch nehmen.