Preisanstieg befürchtet

Opec uneins über Ölförderquoten

Ab morgen treffen sich die ölfördernden Länder in Wien zur 139. OPEC-Konferenz. Wie im Vorfeld bekannt wurde, gibt es unterschiedliche Auffassungen über eine mögliche Anpassung der Förderquoten. Während OPEC-Chef Daukoru eine Senkung diskutieren will, gibt es auch Stimmen für stabile Förderquoten.

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Düsseldorf (ddp/sm) - In der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) gibt es offenbar unterschiedliche Auffassungen über eine mögliche Anpassung der Förderquoten. Wie der Opec-Präsident und nigerianische Ölminister Edmund Daukoru dem "Handelsblatt" (Montagsausgabe) am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos sagte, soll beim Treffen am Dienstag in Wien eine Senkung diskutiert werden. Das könnte zu einem weiteren Anstieg des Ölpreises führen, der erst jüngst auf 65 Dollar pro Barrel (159 Liter) geklettert war. Der Energieminister Kuwaits und der Ölminister Algeriens lehnen eine Senkung allerdings ab.

"Wir achten darauf, dass der Weltmarkt auf lange Sicht gut mit Öl versorgt ist. Und das ist er. Wir haben aufgehört, einen bestimmten Preis verteidigen zu wollen", sagte Daukoru dem Blatt. Einen neuen Zielkorridor für einen aus Sicht der Opec sinnvollen Ölpreis wollte Daukoru nicht nennen. Vor zwei Jahren hatte die Opec noch betont, sie sei an stabilen Preisen zwischen 22 und 28 Dollar pro Barrel interessiert. Jetzt erklärte Daukoru in der Zeitung: "Wir wissen, dass Preise über 60 Dollar etwas hoch sind. Aber wir werden bei unserem Treffen nicht nur auf den täglichen Preis achten, sondern auf die Voraussagen zum zweiten Quartal." Wie weit der Preis noch steigen werde, vermochte Daukoru nicht zu sagen. "Die Welt ist voller schlechter Nachrichten, die den Preis beeinflussen. Wir haben keine Kontrolle darüber. Der Markt hat das letzte Wort", sagte er.

Hingegen sagte der Energieminister Kuwaits, Scheich Ahmad Fahad Al-Ahmad Al-Sabah, am Rande der Vereidigung des neuen Emirs, die Opec solle ihre Förderquoten stabil halten. Zwar sei der Markt gut mit Öl versorgt, aber angesichts der hohen Preise sollte die Opec die Förderquoten unverändert lassen. Auch der algerische Ölminister Chakib Khelil sprach sich für eine Beibehaltung der Fördermenge aus. Auf einer Pressekonferenz sagte er, es gebe zwischen den Mitgliedsstaaten der Opec einen Konsens, die derzeitigen Quoten nicht zu ändern. Zielsetzung der Opec sei es, den internationalen Markt zu stabilisieren. Zu den gegenwärtig hohen Preisen sagte er, dies liege nicht an einem Mangel an Öl.

Gefragt, ob die Opec mehr Öl in den Markt pumpen werde, sollte sich der Iran entschließen, wegen seines Konflikts mit den USA seine Öllieferungen zu reduzieren, sagte Khelil, die Opec sei verpflichtet, solche Lücken schließen zu helfen. Das habe sie bereits im Falle Nigerias im Jahr 2003 getan. Es hänge jedoch auch von den Kapazitäten des Mitgliedstaates ab. Für das zweite Quartal sieht der algerische Ölminister den Ölpreis bei mindestens 50 Dollar je Barrel.

Wie das Statistische Bundesamt anlässlich der am morgigen Dienstag beginnenden 139. Sitzung der OPEC-Konferenz in Wien mitteilte, sind die Einfuhrpreise für aus den OPEC-Staaten importiertes Rohöl zwischen Dezember 2003 und Dezember 2005 um 87,6 Prozent gestiegen. Die Preise für nach Deutschland eingeführtes Rohöl hätten sich in den letzten beiden Jahren außerordentlich erhöht, nachdem in den Jahren 2001 bis 2003 die Preisentwicklung relativ ruhig verlaufen sei. Mit den Preiserhöhungen beim Rohöl hätten sich in den letzten Jahren auch sämtliche Mineralölprodukte verteuert. Allerdings sei für Deutschland, das 97 Prozent seines Ölbedarfs durch Importe decken muss, die Bedeutung der Einfuhren aus den OPEC-Ländern in den letzten Jahrzehnten spürbar zurückgegangen. Grund ist laut Statistischem Bundesamt die Erschließung der Ölreserven in der Nordsee und die Ausweitung der Importe aus der Sowjetunion beziehungsweise Russland.

In der OPEC (Organisation Erdöl exportierender Länder) haben sich die Staaten Algerien, Indonesien, Iran, Irak, Katar, Kuwait, Libyen, Nigeria, Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate und Venezuela zur Abstimmung ihrer Ölpolitik zusammengeschlossen. Ihr Hauptzweck ist die Festlegung von Förderquoten für die einzelnen Mitglieder, um über "künstliche" Verknappungen oder Steigerungen der Ölförderung den Ölpreis zu regulieren. Die OPEC- Länder fördern gegenwärtig etwa 40 Prozent des Rohöls, verfügen jedoch über etwa zwei Drittel der Weltölreserven.