Streit

Offshore-Förderung könnte Strompreis erhöhen

Offshore-Windparks sollen nach einer Einigung von CDU und SPD durch verlängerte Anfangsvergütungen gefördert werden. Die CSU zeigt sich in Anbetracht der dadurch vermutlich steigenden Strompreise wenig begeistert. Dies widerspreche dem eigentlichen Plan, den Anstieg der Stromkosten durch eine Ökostrom-Reform zu bremsen.

Offshore Windenergie© psdesign1 / Fotolia.com

Berlin (dpa/red) - Die in den Koalitionsverhandlungen von Union und SPD erzielte Einigung auf bessere Förderbedingungen für Windparks in Nord- und Ostsee könnte die Strompreise stark belasten. Das geht aus Berechnungen des Energieexperten der Verbraucherzentrale Bundesverband, Holger Krawinkel, hervor. Demnach drohen hier bis zum Jahr 2020 jährliche Gesamtkosten von bis zu 4,5 Milliarden Euro. Zusammen mit den Stromtransportkosten drohten Privathaushalten dadurch mittelfristig jährliche Kosten von bis zu 75 Euro.

Kritik aus der Arbeitsgruppe Energie

Das bis 2017 befristete Modell mit einer Anfangsvergütung von 19 Cent je Kilowattstunde über einen Zeitraum von acht Jahren soll um zwei Jahre bis Ende 2019 verlängert werden, um das Ziel von 6.500 Megawatt bis 2020 zu schaffen. Kritik an der von Umweltminister Peter Altmaier (CDU) und Niedersachsens Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) am Donnerstag erzielten Einigung kam von der CSU. "Es geht nicht an, dass ohne Beratung in der AG Energie Vereinbarungen zwischen einzelnen Vertretern von CDU und SPD getroffen werden, die (...) die Strompreisbelastung der Verbraucher weiter in die Höhe treiben", sagte Bayerns Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer, der Mitglied in der Koalitionsarbeitsgruppe Energie ist.

Förderkosten bis zu 30 Milliarden

Die auf den Strompreis abgewälzte Summe an Ökostrom-Förderkosten könne sich durch die geplante Regelung der Marke von 30 Milliarden Euro im Jahr nähern, so Verbraucherschützer Krawinkel. 2014 werden es 23,5 Milliarden Euro sein. Eigentlich ist es erklärtes Ziel von Union und SPD, den Strompreisanstieg durch eine Reform der Ökostrom-Förderung zu bremsen.

Kosten und Nutzen aus dem Gleichgewicht

Aus Krawinkels Sicht droht dies nun aber konterkariert zu werden. "Die gleiche Leistung mit konventioneller Windkraft an Land kostet ein Fünftel", sagte er dem Energie-Fachportal Bizzenergytoday.com. "Es ist wie beim Transrapid: Klar, er war etwas schneller. Aber der Nutzen stand in keinem Verhältnis zu den enormen Kosten im Vergleich zu konventionellen Hochgeschwindigkeitszügen." Die Anlagen stünden einfach zu weit draußen und zu tief im Meer, meinte Krawinkel.

Quelle: DPA