Stellungnahme

Offenbar keine Gefahr durch Riss im Berliner Forschungsreaktor

Von einem Riss im nuklearen Forschungsreaktor in Berlin-Wannsee geht nach Ansicht von Experten keine Gefahr aus; der Schaden sei nicht sicherheitsrelevant. Laut einem Bericht des TÜV Rheinland ist die Kühlung des Kerns "nicht gefährdet". Notfallmaßnahmen werden als nicht erforderlich angesehen.

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Berlin (dapd/red) - Wie das ARD-Magazin "Kontraste" am Donnerstag vorab berichtete, befindet sich der Schaden "an einer Schweißnaht im Bereich der Trennwand zwischen Absetzbecken und Betriebsbecken". Diese Becken bildeten das zentrale Kühlsystem.

Das Magazin hatte bereits vor zwei Wochen über angebliche Sicherheitsmängel, darunter den Riss zwischen den beiden Becken, berichtet. Ein früherer leitender Ingenieur des Reaktors des Helmholtz-Zentrums Berlin, hatte auf den Schaden aufmerksam gemacht und dessen sofortige Reparatur gefordert, hieß es.

Kein Austritt von Kühlwasser

Nach Darstellung von "Kontraste" hatte der Betreiber zunächst behauptet, ein solcher Riss existiere nicht. Inzwischen heiße es, es gebe zwar einen Riss, dieser sei jedoch "nicht sicherheitsrelevant". Der Reaktor ist derzeit wegen Wartungsarbeiten nicht in Betrieb.

Eine Sprecherin des Helmholtz-Zentrums, das den Reaktor betreibt, sagte auf dapd-Anfrage, der TÜV-Bericht selbst bewerte den Riss als "nicht sicherheitsrelevant". "Wir haben nie bestritten, dass es eine Undichtigkeit im Bereich der Trennwand gibt, jedoch ist diese Trennwand nicht Teil des Kühlsystems", betonte die Sprecherin.

Sie sei ein für Wartungsarbeiten vorgehaltenes Bauteil und werde nur am abgeschalteten Reaktor in seltenen Fällen gesetzt, wenn man bei bestimmten Wartungsarbeiten in den beiden Beckenteilen unterschiedliche Wasserstände herstellen wolle.

Umweltverwaltung teilt Expertenmeinung

In solchen Situationen tröpfelt laut Sprecherin infolge der "Undichtigkeit" Wasser von einem Beckenteil in den anderen. Dies beeinträchtige aber auch nicht die Wartungsarbeiten. "Es sind weiterhin alle Prüfungen und Inspektionen möglich, und es besteht zu keinem Zeitpunkt die Möglichkeit, dass Kühlwasser austreten könnte", versicherte die Sprecherin. Im Reaktorbetrieb sei die Trennwand ohnehin nicht gesetzt, die beiden Beckenteile seien miteinander verbunden und bildeten ein großes Becken.

Der Umweltverwaltung liege der TÜV-Bericht ebenfalls vor, sagte eine Sprecherin. Die Behörde habe sich der Einschätzung des Sachverständigen angeschlossen, der den Riss für nicht sicherheitsrelevant halte.

Das Berliner Abgeordnetenhaus sprach sich am Donnerstag dennoch für eine vollständige Sicherheitsüberprüfung des Forschungsreaktors aus. In einem Antrag hieß es, diese solle "zeitnah und ergebnisoffen" vor der Wiederaufnahme des Betriebs erfolgen. Auch wird der Senat aufgefordert, sich beim Bundesverkehrsministerium für eine Ausweitung des Flugbeschränkungsgebietes um den Reaktor einzusetzen. Der Beschluss erfolgte einstimmig durch SPD, Grüne und Linke bei Enthaltung von CDU und FDP.