Vor Rügen

Offenbar erneut Schiffsunfall mit radioaktivem Gefahrgut

Atomare Transporte auf dem Wasserweg sind hoch umstritten und immer wieder in der Diskussion. Nachdem zuletzt im Mai ein mit Uranhexafluorid beladener Frachter in Brand geraten war, hat es jetzt einem Fernsehbericht zufolge einen weiteren Unfall mit radioaktivem Gefahrgut der Klasse 7 gegeben.

Atommüll© Thomas Bethge / Fotolia.com

Hamburg (red) - Zu dem Schiffsunfall kam es, als ein russischer Frachter vor der Küste Rügens in der Nacht zum 18. Oktober mit einer Segelyacht kollidierte. Der Frachter hatte offenbar radioaktives Material geladen. Nach Recherchen des NDR-Politikmagazins "Panorama 3" handelte es sich dabei um radioaktives Gefahrgut der Klasse 7. Dazu gehört unter anderem Uranhexafluorid und Urandioxid.

Das 100 Meter lange Frachtschiff "Mikhail Lomonosov" aus St. Petersburg hatte die Segelyacht eines britischen Skippers gerammt. Die Yacht wurde schwer beschädigt und musste daraufhin mit Hilfe eines Seenotrettungskreuzers der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger in den Hafen von Glowe auf Rügen geschleppt werden. Die Kollision hatte bei der Yacht einen Mastbruch und einen Motorschaden verursacht.

Der Gefahrgut-Frachter habe die Vorfahrt missachtet

Im Gespräch mit dem Magazin habe der Kapitän der Segelyacht berichtet, dass der russische Gefahrguttransporter sich nicht an die Seeverkehrsregeln gehalten und die Vorfahrt des kleineren Segelboots missachtet habe. Das Bundesamt für Schifffahrt und Hydrographie habe mittlerweile Vorermittlungen aufgenommen.

Nach dem Unfall hatte die "Mikhail Lomonosov" die Fahrt fortgesetzt. Durch den Nord-Ostsee-Kanal erreichte sie am Montagmorgen, 21. Oktober, den Burchardkai im Hamburger Hafen und ließ dort die radioaktive Fracht löschen. Das bestätigte jetzt die Wasserschutzpolizei Hamburg auf Nachfrage von "Panorama 3". Derartige Güter werden von Hamburg aus zur Brennelementefabrik in Lingen bzw. zur Urananreicherungsanlage in Gronau gebracht. Mittlerweile ist das Schiff der russischen Reederei Northern Shipping Company in Richtung Antwerpen unterwegs.

Stopp von atomaren Transporten auf dem Wasserweg gefordert

Die Hamburger Umweltschutzgruppe "SAND" fordert den sofortigen Stopp von atomaren Transporten auf dem Wasserweg. Erst im Mai dieses Jahres war es im Hamburger Hafen zu einem Unfall mit Uranhexafluorid gekommen, als der Spezialfrachter "Atlantic Cartier" in Brand geraten war.