Befürchtungen

Oettinger erwartet deutlich höheren Strompreis (Upd.)

Die Entscheidung der EU, die Energienetze in der Gemeinschaft für rund 200 Milliarden Euro auszubauen, wird nach Einschätzung von EU-Kommissar Günther Oettinger zu einer spürbaren Steigerung der Strompreise führen. Am Ausbau des Netzes ginge allerdings kein Weg vorbei.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Hamburg (afp/red) - Es gehe "um ein bis zwei Cent pro Kilowattstunde", sagte der Brüsseler Energiekommissar dem "Hamburger Abendblatt" (Mittwochsausgabe). Die höheren Strompreise könnten neue Leitungen und weitere Speicherkapazitäten finanzieren. Zugleich warnte Oettinger, wenn das Energienetz nicht ausgebaut werde, sei die Gefahr eines Stromausfalls "sehr real".

Der geplante Ausbau erneuerbarer Energien wie der Windkraft beinträchtige die Versorgungssicherheit, hob Oettinger hervor. "Daher brauchen wir perfekte Netze, die Schwankungen ausgleichen können." Die Modernisierung der Energieinfrastruktur hatten die Staats- und Regierungschefs der EU bei ihrem jüngsten Gipfel in Brüssel beschlossen. Nach Oettingers Richtwert bedeuten die Brüsseler Pläne dem Bericht zufolge für einen Vierpersonenhaushalt mit einem Verbrauch von 4500 Kilowattstunden bis zu 90 Euro höhere Strompreise im Jahr oder 7,50 Euro im Monat.

Nach Oettingers Überzeugung können die Energiekonzerne den Netzausbau nur bewältigen, wenn sie die Kosten teilweise an die Verbraucher weitergeben. Die deutschen Energieversorger seien "im internationalen Vergleich nur mittelgroß". Ihre Wettbewerbsfähigkeit dürfe nicht gefährdet werden.

Nach Ansicht des DIW ist der Ausbau erneuerbarer Energien aber "kaum" für einen erwarteten Strompreis-Anstieg verantwortlich zu machen. "Ohne den Ausbau erneuerbarer Energien würde der Börsenpreis künftig deutlich stärker steigen", ergab eine am Mittwoch vorgestellte Studie des Instituts. Die Untersuchung geht hierbei davon aus, dass die Politik gegen eine weitere Explosion der Förderkosten für Solarstrom wirksam vorgeht.

Deutlich gemindert werden könne der erwartete Strompreis-Anstieg durch einen funktionierenden Wettbewerb, betonte das DIW. Verbraucherschützer beklagen seit Jahren, dass nach der Liberalisierung des Strommarktes in Deutschland ein Oligopol aus vier großen Versorgern entstanden ist. Tipp: Unser Strompreisrechner hilft Verbrauchern, günstige Stromtarife zu finden und so trotz steigendem Preisniveaus Stromkosten zu sparen.