Rallye geht weiter

Ölpreis steigt auf über 135 Dollar (Upd.)

Es nimmt kein Ende: Bei den Kraftstoff- wie auch Ölpreisen purzeln die Rekorde. Der Ölpreis knackte in der Nacht zum Donnerstag erstmals die Marke von 135 US-Dollar und notierte am Mittag bei 135,09 Dollar. Der Dieselpreis entspricht jetzt dem Benzinpreis.

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Ottawa (ddp/sm) - Gegenwärtig ströme viel Geld in den Ölmarkt, da jeder mit steigenden Preisen rechne, argumentierten Analysten. Wie beim Ölpreis scheint auch bei den Kraftstoffpreisen kein Ende der Höchststände in Sicht.

Die Nachfrage steige weiter an, betonte der Betreiber des Online-Tankstellenverzeichnisses clever-tanken.de, Steffen Bock. Ganz China und Indien motorisiere sich und die Produktion komme nicht nach. In Deutschland habe vor allem der Dieselpreis einen enormen Nachfrageanstieg verzeichnet. An den Tankstellen werde bereits genauso häufig Diesel wie Benzin getankt. Am Donnerstag kostete laut Bock ein Liter Diesel im Schnitt 1,496 Euro und ein Liter Superbenzin 1,506 Euro. In Hamburg wurden Bock zufolge an einer Tankstelle sogar alle drei Kraftstoffe zum selben Preis verkauft.

Die Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert, wollte keine Aussagen zur Preisentwicklung bei Benzin und Diesel tätigen. Derzeit sei es schwierig vorherzusagen, wohin der Benzinpreis kurzfristig klettert - langfristig müssten sich alle aber auf solche Preise dauerhaft einstellen, wenn nicht umgesteuert werde, betonte sie. Ihre früheren Prognosen, dass Öl bald mehr als 100 Dollar je Barrel und Benzin mehr als 1,50 Euro kostet, seien ja bereits eingetreten.

Beobachter verwiesen bezüglich des Rekordölpreises auf die starke weltweite Nachfrage, die Sorge über Lieferausfälle und Preissteigerungen bei Destillaten. Die Rallye war zunächst durch die neuen Lagerbestandsdaten in den USA am Mittwochnachmittag ausgelöst worden. Diese waren in der Woche zum 16. Mai im Vergleich zur Vorwoche um 5,3 Millionen Barrel gefallen. Analysten hatten dagegen einen Anstieg um 0,3 Millionen Barrel prognostiziert.

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) hatte sich am Mittwoch bereiterklärt, zur Stabilisierung der Märkte gegebenenfalls Maßnahmen zu ergreifen. Allerdings sah OPEC-Generalsekretär Abdalla Salem el-Badri den Markt derzeit erstmals als gut versorgt an.

Im Gegensatz dazu stand die aktuelle Studie der Energy Watch Group, die einen Rückgang der weltweiten Ölförderung bis 2030 auf die Hälfte prognostiziert. Auch die Internationale Energieagentur (IEA) senkte laut "Wall Street Journal" (Donnerstagausgabe) ebenfalls ihre Vorhersage für die globale Ölförderung bis 2030. Bisher ging die IEA davon aus, dass die Förderung von derzeit 87 Millionen Barrel pro Tag bis 2030 auf 116 Millionen Barrel gesteigert werden kann. In ihrer neuen Prognose dürfte die IEA laut dem Blatt diese Schätzung aber auf rund 100 Millionen Barrel senken. Grund dafür seien nach IEA-Einschätzung fehlende Investitionen in die Ölförderung.

Kemfert sagte, eine Förderung von 100 Millionen Barrel könnte nur bei weiteren Investitionen in die Förderung von Öl erreicht werden. Dabei seien nicht nur Investitionen in die Ölförderung notwendig, sondern auch in die Erforschung alternativer Energien. So schnell wie möglich würden kohlendioxidfreie und sichere Kraftstoffe benötigt. Sicher sei nämlich, dass zwischen 2020 und 2030 das Ölangebot zurückgeht.