Zurückhaltung

Ökostromtarife: Der Boom scheint vorbei

Die Nachfrage nach Ökostromtarifen ist rückläufig. Das zeigen sowohl eine Umfrage unter 150 Stromanbietern als auch Daten des Vergleichsportals Verivox. Der Boom, der nach dem Unglück in Fukushima einsetzte, flaut offenbar ab.

Windrad© Martin Lehotkay / Fotolia.com

Essen – Fünf Jahre nach der Atom-Katastrophe von Fukushima ist die Bereitschaft der Bundesbürger, für umweltfreundlichen Strom etwas mehr Geld zu bezahlen, offensichtlich abgeflaut. Nach einer Umfrage der Fachzeitschrift "Energie & Management" geht die Nachfrage nach Ökostromtarifen zurück.

Zahl der Ökostrom-Haushalte sinkt

Der Ökostromabsatz sank nach Angaben der an der Umfrage beteiligten Unternehmen von 29,6 Milliarden Kilowattstunden 2013 auf 21,2 Milliarden Kilowattstunden 2015, wie die Zeitschrift berichtet. 2013 bezogen noch knapp fünf Millionen der etwa 40 Millionen deutschen Privathaushalte Strom über Ökostromtarife, bei der aktuellen Befragung sank die Zahl auf etwa 4,4 Millionen Haushalte.

An der Umfrage hatten zwischen Mai und Juli dieses Jahres 150 Stromanbieter mit 237 Ökotarifen teilgenommen. Die Teilnehmerzahl ist seit 2013 zurückgegangen. Dennoch bleibe die Ökostromumfrage die umfangreichste ihrer Art in Deutschland, betont die Zeitschrift.

Nur noch 59 Prozent entscheiden sich für Ökostromtarife

Unmittelbar nach Fukushima sei die Nachfrage nach Ökotarifen mit erneuerbaren Energien ohne Atom- und Kohlestrom sprunghaft angestiegen, sagte ein Sprecher des Vergleichsportals Verivox. Im zweiten Halbjahr 2012 seien 81 Prozent der neu vermittelten Verträge Ökostromtarife gewesen. Drei Jahre später, im zweiten Halbjahr 2015, waren es nur noch 59 Prozent. "Nach dem starken Anstieg haben wir ein Abflachen der Nachfrage", sagte der Verivox-Sprecher.

Lichtblick: Gefühlt ist die Energiewende schon umgesetzt

Der Geschäftsführer Energiewirtschaft beim deutschen Ökostrom-Marktführer Lichtblick (Hamburg) mit rund 500.000 Haushaltskunden, Gero Lücking, sprach von "fehlender Dynamik" im Markt. "Die Leute sehen überall Windräder und Photovoltaik auf den Dächern", sagte er, "gefühlt ist die Energiewende schon umgesetzt. Da fragen sie sich: warum jetzt noch wechseln?".

Hintergrund der Kundenzurückhaltung könnte aber auch der wachsende Erneuerbaren-Anteil am allgemeinen Stromangebot sein, das über die Börse vermarktet wird: Ungefähr ein Drittel des deutschen Stroms wird bereits über Wind, Wasser, Sonne und Biomasse erzeugt. Dafür zahlen die Stromkunden ohnehin schon über die EEG-Umlage.

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Quelle: DPA