Netzausbau

Ökostromeinspeisung erschöpft Netzkapazität

Aufgrund der stetig steigenden Einspeisung von Ökostrom, sind die Stromnetze bis in ihre Grenzen ausgelastet. Um die Stromeinspeisung nicht drosseln zu müssen, will der Netzbetreiber Mitnetz Strom nun mehr als 300 Millionen Euro in den Netzausbau investieren. So kann der in Mitteldeutschland erzeugte, aber nicht verbrauchte Ökostrom in andere Regionen Deutschlands exportiert werden.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Halle (dapd/red) - Die Mitteldeutsche Netzgesellschaft Strom bmH (Mitnetz Strom) will ihr Stromnetz ausbauen. Allein in diesem Jahr sind dafür 344 Millionen Euro vorgesehen. Hauptgrund für den Ausbau sei die stetig steigende Stromeinspeisung von Ökostrom, sagte der Technische Geschäftsführer Adolf Schweer am Montag in Halle. Insgesamt umfasse der Bauplan mehr als 10.000 Maßnahmen in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Brandenburg.

In Brandenburg sollen unter anderem die Hochspannungsleitung bei Herzberg (Kreis Elbe-Elster) und das Umspannwerk Döbern (Kreis Spree-Neiße) erneuert werden. Zudem soll die Leistungsfähigkeit des Umspannwerkes Calau (Kreis Oberspreewald-Lausitz) erhöht werden.

Die Stromnetze seien "das Nadelöhr" der Energiewende, sagte Schweer und fügte hinzu: "Nur wenn der Ausbau der Netze mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien Schritt hält, kann die Energiewende gelingen."

Stromnetze sind bis zur Kapazitätsgrenze ausgelastet

Die Netze seien bereits an der Grenze ihrer Kapazität angekommen. Es werde deutlich mehr Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt, als in Mitteldeutschland verbraucht werde. Im Jahr 2011 habe das Unternehmen, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft des Energieversorgers enviaM, 50-mal die Stromeinspeisung drosseln müssen. Das sei eine Verdreifachung im Vergleich zum Vorjahr.

Im enviaM-Netzgebiet lag den Angaben zufolge der Anteil an Ökostrom beim Endverbraucherabsatz bei knapp 50 Prozent. Ein Jahr davor waren es 40 Prozent. Das sei mehr als doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt, sagte Schweer.

Einspeisung von Ökostrom stieg um 25 Prozent

Die Stromeinspeisung aus Biomasse, Sonne, Wind und Wasser sowie anderen erneuerbaren Energien stieg laut Schweer im Vergleich zum Jahr 2010 um 25 Prozent auf rund 8,1 Milliarden Kilowattstunden. Damit könnten ein Jahr lang 3,2 Millionen Haushalte in Ostdeutschland mit Strom versorgt werden.

Es sei notwendig, den in Mitteldeutschland erzeugten, aber nicht verbrauchten Strom aus Solar- und Windenergie in andere Regionen Deutschlands mit entsprechender Nachfrage exportieren zu können. Dafür sei der Ausbau der Übertragungsnetze im Höchstspannungsbereich und der Verteilnetze im Hoch-, Mittel - und Niederspannungsbereich notwendig.

In Sachsen-Anhalt wolle Mitnetz 83 Millionen Euro investieren, in Sachsen 163 Millionen Euro, in Brandenburg 92 Millionen Euro und in Thüringen sechs Millionen Euro.

Mitnetz Strom ist nach eigenen Angaben der größte regionale Verteilnetzbetreiber in Ostdeutschland. Das enviaM-Stromnetz hat eine Länge von etwa 77.000 Kilometern in den Bundesländern Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Brandenburg.