Wasser, Sonne und Wind

Ökostrom: Umweltbewusste haben viele Wahlmöglichkeiten

Aufgrund der steigenden Nachfrage nach Ökostrom bieten auch große Versorger wie Vattenfall umweltfreundlich erzeugten Strom an. Jedoch kritisieren Umweltschützer, dass der Konzern gleichzeitig Kohlekraftwerke baut und raten daher, zu einem reinen Ökostromanbieter zu wechseln.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Berlin (ddp-lbg/sm) - Hinsichtlich ihres Stroms können die Kasseler ein reines Gewissen haben. Ab sofort werden die Privathaushalte der hessischen Stadt automatisch mit Energie aus schwedischer Wasserkraft versorgt. In Berlin und Brandenburg muss sich der umweltbewusste Bürger weiterhin selbst kümmern. Es gibt vielfältige Angebote. Allerdings bedeutet Ökostrom nicht immer öko. "Machen wir uns nichts vor", sagt Energieberater Matthias Prill. Es sei nicht nachprüfbar, woher der Strom komme. Denn die ins Netz eingespeiste Energie sei nicht voneinander zu trennen.

Justus von Widekind von der Plattform Klima-sucht-Schutz.de wird deutlicher: "Strom stammt immer aus der nahen Umgebung. Selbst wenn ich Ökostrom kaufe, ist das eventuell Strom aus Braunkohle." Natürlich würden Bestellungen bei Ökostromanbietern diesen zugute kommen. Damit bestehe die Hoffnung, dass aus Kohle oder Atomkraft anteilig weniger Energie produziert wird. Stadtwerke, die Ökostrom anbieten, steckten ihre Stromgroschen in den Bau umweltfreundlicher, neuer Anlagen. Auf jeden Fall würden damit, wenn auch über Umwege, die Anbieter "sauberen Stroms" gefördert.

Stromgroßanbieter in Berlin ist Vattenfall. Sein Produkt "Natur Privat Strom", das auch in Brandenburg erhältlich ist, setzt sich Firmenangaben zufolge aus 84 Prozent - im Ausland erzeugter - Wasserkraft zusammen. Drei Prozent kommen aus Biomasse und Sonne. Als Herkunft für die restlichen 13 Prozent ist "Energie nach dem Erneuerbare Energiengesetz" angegeben.

Die Grüne Liga hat allerdings gegen Vattenfall Vorbehalte. "Wegen der Braunkohle-Energiepolitik in der Lausitz und weil der Konzern in Berlin ein Steinkohle-Kraftwerk plant", sagt Sprecherin Karen Thormeyer zur Begründung. Sie empfiehlt einen Blick auf die Internetadresse atomaustieg-selbermachen.de. Dort befindet sich auch ein Verweis auf LichtBlick. Laut Pressesprecher Gero Lücking liefert die Hamburger Firma ausschließlich Ökostrom und gehört keinem Konzern, sondern einer Unternehmerfamilie. Buchen könne man das Angebot in jeder Postfiliale der Region.

Auch Berlin trägt zur Ökostromproduktion bei. In der Stadt gibt es nach Angaben der Senatsumweltverwaltung die meisten Solarflächen Deutschlands. Daraus zapft auch der 2003 gegründete Solarverein Berlin-Brandenburg. "Wir haben bereits sechs eigene Projekte realisiert", berichtet die Vorsitzende Claudia Pirch-Masloch. Zwölf weitere Vorhaben in der Region seien vom Verein beraten worden. Ihr Verein hat zudem vorgeschlagen, zur Nachnutzung des Flughafens Tempelhof einen Solarpark einzurichten.