Einseitige Forschung?

Ökostrom-Studie von Öl- und Kohlekonzernen finanziert

Die Förderung erneuerbarer Energien lässt die Strompreise steigen – so oder ähnlich lauteten viele Schlagzeilen der letzten Wochen. Eine Studie des RWI wurde dabei oft zitiert - jetzt stellte sich heraus, dass einer der Geldgeber der Studie von Öl- und Kohlekonzernen finanziert wird.

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Köln (red) - Das Essener Wirtschaftsforschungsinstitut RWI berechnete, dass insgesamt 64 Millionen Euro an Subventionen von den Stromkunden bezahlt werden müssten. Gerade die Förderung der Solarenergie wird in der Studie als zu teuer angeprangert - was indes die meisten Experten außerhalb der Solarbranche so sehen. Aktueller Anlass: Die Erhöhung der EEG-Umlage zum Jahreswechsel könnte zu einem Anstieg der Strompreise um 7,5 Prozent führen, wenn sie vollständig weitergegeben wird. Dr. Manuel Frondel vom RWI nannte in der ARD-Sendung "Monitor" als Kernbotschaft der Untersuchung: Solarstrom verursacht hohe Kosten, im Gegenzug produziert er wenig Strom und hat keine Klimaschutzwirkung.

Geldgeber der Studie wurde offenbar verschwiegen

Frondel gab auf Nachfrage zu, das Institute for Energy Research habe die Studie mitfinanziert, was auch der Blog klima-der-gerechtigkeit.de bereits veröffentlicht hatte. Das Washingtoner Institut seinerseits wird von Öl- und Kohlekonzernen finanziert. Das sei dem RWI in dem Maße nicht bekannt gewesen, spiele aber auch keine Rolle bei einer wissenschaftlich anerkannten Untersuchung, so Frondel. Trotzdem wurde der Geldgeber "Monitor" zufolge in keiner der Publikationen, die auf Deutsch und Englisch, gedruckt und im Internet erschienen, genannt. Laut Frondel ein Versehen.

Wie das Magazin am Donnerstag berichtete, wurden bei dieser Berechnung anscheinend Effekte nicht berücksichtigt, die zu einer Einsparung führen. Ökostrom lässt den Börsenpreis sinken, was in der Berechnung außen vor gelassen wurde, so Professor Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Der berechnete Betrag müsse nach unten korrigiert werden. Trotz höherer Umlagen dürften die Strompreise eigentlich nicht steigen, sagen auch andere Experten. Die gesunkenen Preise an den Strombörsen seien Ausgleich genug.