Energiewende

Ökostrom im Tagebau: Windkraft statt Braunkohle

Um Ökostrom auf den Flächen des Braunkohletagebaus zu erzeugen, will RWE auf den riesigen Abraumhalden Windparks errichten. Die Ernte von Rekultivierungsflächen soll für Biogasanlagen genutzt werden. Ganz freiwillig macht der Konzern das nicht - Hintergrund ist die Energiewende.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Düsseldorf (dapd/red) - Die weithin sichtbaren Abraumhalden und die gigantischen Gruben des rheinischen Braunkohlentagebaus sollen künftig der Erzeugung von Ökostrom dienen. Deutschlands größter Stromproduzent RWE plant auf den bis zu 100 Meter hohen Halden Windparks zu errichten. Außerdem sollen die bei der Rekultivierung der Tagebaugruben anfallenden landwirtschaftlichen Produkte künftig zur Produktion von Biogas verwendet werden, wie der Konzern am Montag mitteilte.

Mehr Ökostrom durch den Atomausstieg

Bisher steht das Rheinische Revier in den Augen vieler Umweltschützer ausschließlich für schmutzigen Strom aus Braunkohle. Doch das könnte sich bald ändern. Der Hintergrund: Deutschlands größter Produzent von Braunkohlestrom RWE muss im Zuge der Energiewende seine Erzeugungskapazitäten im Bereich der erneuerbaren Energien drastisch ausbauen. Allein in Nordrhein-Westfalen sollen sie in den nächsten drei Jahren verdreifacht werden.

Die Nutzung der früheren Tagebaugebiete, die bislang wie klaffende Wunden in der Rheinebene liegen, ist für den Stromgiganten dabei gleich aus mehreren Gründen attraktiv. So ist hier beim Bau von Windparks mit Bürgerprotesten kaum zu rechnen.

Windparks quasi ohne Anwohner

"Die Rekultivierungsflächen sind nur gering besiedelt. Die nächste Wohnbebauung ist teilweise kilometerweit entfernt. Das spricht für ein hoffentlich relativ konfliktfreies Genehmigungsverfahren des Windparks", betont der Chef der Kraftwerkstochter RWE Power, Johannes Lamertz. Schließlich muss bei modernen fast 200 Meter hohen Windrädern der Drei-Megawatt-Klasse, wie sie RWE etwa auf einer Rekultivierungsfläche des Tagebaus Garzweiler in Jüchen errichten will, ein Abstand von 700 Metern zum nächsten Gebäude eingehalten werden.

Zwei Fliegen mit einer Klappe

Doch ist es nicht nur die Entfernung von den Anwohnern, die die Nutzung der Halden attraktiv macht, sondern auch die zu erwartende Windausbeute. "Der Ertrag einer Windkraftanlage steigt mit jedem Meter Höhe um ein Prozent", meint Lamertz und fügt hinzu: "Unsere Halden sind teilweise bis zu 100 Meter hoch." Insgesamt hofft RWE im Rheinischen Revier Windkraftanlagen mit einer Gesamtkapazität von bis zu 200 Megawatt errichten zu können.

Doch auch die gigantischen Gruben, die die Braunkohlebagger in die Erde gefressen haben, will der Konzern zur Erzeugung erneuerbarer Energien nutzen. Die RWE-Tochter Rheinbraun muss diese wüsten Landschaften nach dem Ende des Braunkohleabbaus rekultivieren und will dabei zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. "Wir wollen auf einigen unserer Rekultivierungsflächen in Zukunft auch landwirtschaftliche Produkte anbauen, die für die Erzeugung von Biogas genutzt werden können", sagt Lamertz. Dazu will der Konzern in Bergheim-Paffendorf für rund 13 Millionen Euro eine Biogasanlage errichten.

Das Speicherproblem bleibt

Nur bei dem vielleicht wichtigsten Problem beim Ausbau von Ökostrom, der Möglichkeit zur Stromspeicherung, kann die Tagebauregion wohl nicht helfen. Denn für den Bau von Speicherkraftwerken eignen sich die riesigen Gruben des Tagebaus Lamertz zufolge nicht. Die Geologie der Region erlaube es einfach nicht, die dafür benötigten riesigen Wasserbecken zu bauen.