Ökostrom braucht keine Durchleitung

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com
Privathaushalte können bereits heute ihren Stromlieferanten frei wählen.



Entgegen der landläufigen Meinung kann bereits heute
bundesweit jeder Verbraucher seinen Stromlieferanten wechseln. Ralf Bischof,
Vorstand der Düsseldorfer Naturstrom AG, hat auf einer Pressekonferenz in
Berlin darauf hingewiesen, daß der Düsseldorfer Stromhändler bereits 700
Kunden hat, deren Stromverbrauch schon aus erneuerbaren Energiequellen
erzeugt wird. Der pro Kilowattstunde mit 8 Pfennig zzgl. Mehrwertsteuer
Aufschlag belegte Strom wird ausschließlich aus Windkraft-, Biogas-,
Wasserkraft- und Photovoltaikanlagen in das öffentliche Netz gespeist. Ralf
Bischof: "Wer billigen Strom will, hat zur Zeit schlechte Karten. Wer bereit
ist, für Strom aus erneuerbaren Quellen einen fairen Preis zu bezahlen,
findet in der Naturstrom AG bereits einen bundesweit agierenden Anbieter."
Die Geschäftsgrundlage für die Naturstrom AG ist die schon seit langem
bestehende gesetzliche Regelung zur Stromeinspeisung, die den Netzzugang für
Strom aus erneuerbaren Energien garantiert. Dadurch ist der Abschluß von
speziellen Durchleitungsverträgen nicht mehr notwendig.



Im Rahmen der Veranstaltung wurde deutlich, daß eine Senkung der
Netznutzungsgebühren, vulgo Durchleitungsgebühren, nicht ausreicht, um
ökologisch produzierten Strom wettbewerbsfähig zu machen. Seine
Erzeugungskosten sind im Vergleich mit Strom aus abgeschriebenen,
konventionellen Kraftwerken noch zu hoch. Allerdings, so betonte Ralf
Bischof, könne eine gesetzliche Vorrangregelung für den Netzzugang von
Ökostrom, dazu beitragen, daß der Kostenunterschied zwischen Normal- und
Ökostrom kleiner wird.



Die Vorstellung, daß sich Strom durch die Stromnetze der EVU durchleiten
läßt, ist ohnehin irreführend, da technisch unmöglich. Die bundesweit
geführten Diskussionen um die Durchleitung bzw. die Nutzung der Stromnetze
wird deshalb auch nicht auf der technischen Ebene, sondern auf der
juristischen entschieden. Rechtliche Rahmenbedingungen werden darüber
entscheiden, welche Form der Stromerzeugung sich durchsetzt. Bleibt die
Diskussion auf dem jetzigen Niveau stehen, dann könnten von der
Liberalisierung nur Billiganbieter wie skandinavische Wasserkraftwerke, aber
auch französische oder russische Atomkraftwerke profitieren. Christian Held,
Anwalt der auf die Energiewirtschaft spezialisierten Kanzlei Becker,
Büttner, Held, vertrat auf der Pressekonferenz den Standpunkt, daß die zur
Zeit bestehende Regelung zur Einspeisevergütung Raum für das wirtschaftliche
Überleben der Ökostromerzeuger schaffe. "Die Naturstrom AG ist mit Ihrem
Konzept auf solche ge-setzliche Bevorzugung angewiesen. Dasselbe gilt für
die Ökostromkunden und z. B. für Stadtwerke, die für die Ökostromversorgung
mit einem Partner wie die Naturstrom AG zusammenarbeiten."