"Ein unrentables Projekt"

Ökonomisch untragbar: BUND kritisiert Mainzer Kohlekraftwerk

Im Streit um das geplante Kohlekraftwerk auf der Ingelheimer Aue zwischen Mainz und Wiesbaden ziehen Naturschützer nun neben der Umweltverträglichkeit auch die Wirtschaftlichkeit des Projekts in Zweifel. Der Betreiber des geplanten Kraftwerkes verweist jedoch auf Expertengutachten.

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Mainz (ddp-rps/sm) - "Nicht nur die steigenden Kohlepreise machen das Projekt unrentabel", sagte der rheinland-pfälzische Landesvorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), Bernhard Braun. Ab 2013 müsse der Betreiber Kraftwerke Mainz-Wiesbaden (KMW) zudem mit Kosten in Höhe von mehreren Hundert Millionen Euro für den Kauf von Zertifikaten für den CO2-Emissionshandel rechnen.

Die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden (KMW) als Betreiberfirma wiesen die Kritik zurück. Es lägen drei Expertengutachten vor, die alle zu dem Schluss gekommen seien, "dass sich das Projekt rechnet", sagte Unternehmenssprecher Michael Theurer.

Hintergrund ist, dass die CO2-Zertifikate bislang größtenteils kostenlos zugeteilt werden, wie BUND-Energieexperte Werner Neumann erläuterte. Pläne der EU sehen aber vor, ab 2013 alle Zertifikate zu versteigern. Ein entsprechender Beschluss könnte am Mittwoch in Brüssel gefasst werden.

Der BUND rechnet dann für das geplante Kohlekraftwerk mit Kosten in Höhe von 100 Millionen Euro pro Jahr. Weitere 100 Millionen Euro jährlich müssten für die Kohle ausgegeben werden. "Das bezahlen der Stromkunde und der Steuerzahler", sagte Neumann.

Auf eine mögliche Steigerung bei den Strompreisen wies auch die rheinland-pfälzische Grünen-Vorsitzende Eveline Lemke-Ziebeil hin. Allein durch den Verkauf von sogenannten Verschmutzungsrechten würde nach ihrer Rechnung der Strom aus dem geplanten Kohlekraftwerk rund fünf bis sieben Cent pro Kilowattstunde teurer.

KMW-Sprecher Theurer wollte sich zu den möglichen Kosten für den Kauf von Zertifikaten nicht äußern. "Das sind Spekulationen", sagte er. Die Entscheidung in Brüssel sei noch nicht gefallen.

BUND: Regierung spielt nicht mit offenen Karten

BUND-Landeschef Braun warf derweil der rheinland-pfälzischen Landesregierung vor, sie spiele im Hinblick auf Wirtschaftlichkeit und ökologische Verträglichkeit nicht mit offenen Karten. "Das Ziel, die CO2-Emissionen bis 2020 um 30 bis 40 Prozent zu verringern, kann die Landesregierung mit diesem Kraftwerk nicht erreichen", sagte Braun. Zudem sei das Kraftwerk für Mainz und Wiesbaden mit mehr als 800 Megawatt Leistung überdimensioniert.

Der BUND schlägt anstelle des Kohlekraftwerks eine Stärkung von Kraftwerken vor, die sich aus erneuerbaren Energiequellen speisen. Außerdem sollten Stromeffizienzprogramme vorangetrieben werden, die den Energieverbrauch im Land verringern. In Mainz-Wiesbaden solle als Übergangslösung das bestehende Gaskraftwerk weiter betrieben werden.

Bis 15. Februar liegen die Unterlagen zur Genehmigung des Kohlekraftwerks öffentlich aus. Bis dahin können Gegner des Kraftwerks ihre Einwände gegen das Vorhaben einreichen.