Kritik an Politik

Ökonom warnt vor Engpässen bei Strom

Der Kölner Ökonom Axel Ockenfels warnt vor Kapazitätsengpässen in der Stromversorgung und vor weiter steigenden Strompreisen. "Ich sehe die Gefahr, dass der Markt gegen die Wand gefahren wird", sagte Ockenfels dem "Handelsblatt".

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Der Neubau von Kraftwerken scheitere in vielen Fällen an hohen administrativen Hürden und wachsenden Widerständen in der Bevölkerung. Außerdem fehle wegen vieler offener Fragen bei der Zuteilung von Emissionszertifikaten die Planungssicherheit. Werde die Kapazität knapp, dann steige der Strompreis "über alle Grenzen", warnte Ockenfels. "Wenn der Markt sich erst einmal in diese Richtung entwickelt hat, wird es Jahre dauern, ehe die Fehler ausgebügelt werden können", fügte er hinzu.

Der Ökonom verteidigte die vier großen Stromerzeuger RWE, E.ON, EnBW und Vattenfall in Deutschland. Deren hoher Anteil an den Erzeugungskapazitäten habe "keinen großen Einfluss auf die Preise". Zudem liege Deutschland an der Spitze der am wenigsten konzentrierten Strommärkte in Europa.

Kritik übte Ockenfels dagegen an der Politik: "Die Politik hat die Erwartung geweckt, Liberalisierung führe zwangsläufig zu fallenden Preisen. Das ist naiv" - vor allem in Zeiten "steigender Brennstoffpreise" und einer "zunehmend restriktiven Umweltpolitik".

Ockenfels äußerte Verständnis für den Plan von E.ON, sich von seinem Übertragungsnetz zu trennen. Er halte es für möglich, dass die anderen drei Übertragungsnetzbetreiber dem Beispiel folgten. Vorschläge, der Staat solle künftig die Stromnetze betreiben, wies Ockenfels nicht zurück: Es sei "nicht per se ausgeschlossen, dass die öffentliche Hand ein geeigneter Netzbetreiber sein könnte".