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oekom research untersucht 20 Energierversorger auf ökologische und soziale Anforderungen

Die Münchner Rating Agentur oekom research hat 19 Energieunternehmen auf ihre ökologischen und sozialen Kompetenzen getestet. Dabei wurden Umweltgedanken, Energieeffizienz und Sozialleistungen beachtet.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Die Energiewirtschaft hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Aus den staatlichen Monopolisten von einst sind Privatunternehmen geworden, die sich die Märkte neu aufteilen und den Kunden effiziente Komplettlösungen aus einer Hand versprechen. Werden die Unternehmen ihrer neuen Rolle jedoch auch den ökologischen und sozialen Anforderungen gerecht? Die Münchner Rating-Agentur oekom research hat 20 internationalen Strom- und Gasunternehmen auf den ökologischen und sozialen Zahn gefühlt. "Zwei Drittel der Unternehmen engagieren sich in den Bereichen Umwelt und Soziales. Trotzdem gibt es bei einigen Punkten Nachholbedarf", beurteilt die zuständige Analystin Evelyn Bohle bei oekom research.

Nach Erkenntnissen von oekom schneidet Gas bei der Erzeugung von Energie unter den fossilen Energieträgern am besten ab. Im Durchschnitt hat es einen doppelt so hohen Heizwert wie Steinkohle, was bedeutet, dass bei identischer Ausgangsmenge doppelt so viel Energie erzeugt und wesentlich weniger Kohlendioxid freigesetzt wird. Eine umweltverträgliche Alternative stellt die Energieerzeugung aus regenerativen Quellen wie Sonne, Wind, Biomasse und Wasser dar. Neben den Energieträgern spielte bei der Strom- und Wärmeerzeugung auch die technologische Ausstattung der Kraftwerke eine wichtige Rolle. oekom befragte die Unternehmen deshalb nach dem Wirkungsgrad ihrer Kraftwerkparks. Punkten konnten die Unternehmen, die auf Kraft- Wärme-Kopplung setzen. Letztere haben im Vergleich zu konventionellen Kraftwerken, welche die Abwärme bei der Energieerzeugung nicht nutzen, einen etwa doppelt so hohen Wirkungsgrad. Das kanadische Unternehmen Westcoast Energy zum Beispiel betreibt drei Kraftwerke dieses Typs mit einem Wirkungsgrad von etwa 66 Prozent. Auch die RWE bringt im Ruhrgebiet Kraft-Wärme-Kopplung zum Einsatz. Wegen der dichten Besiedlung und den damit verbundenen kurzen Leitungswegen kann die Abwärme hier optimal zum Heizen von Wohnraum genutzt werden. Der österreichische Stromerzeuger Verbund ist in Europa derzeit Vorreiter bei der Erzeugung von Wasserkraft und setzt sich mit einem B an die Spitze des Umweltratings. Bewag aus Deutschland und Westcoast Energy folgen dicht mit einem B und einem B-. Beide Unternehmen erzeugen im Wesentlichen Energie aus Gas in Verbindung mit Kraft-Wärme-Kopplung.

Die Praxis der Aufklärung von Endkunden über den Energiemix lässt einiges zu wünschen übrig, so oekom. Während sämtliche Unternehmen bereitwillig Angaben über die Zusammensetzung des selbst erzeugten Stroms machten, waren Informationen zur Zusammensetzung des tatsächlich verkauften Stroms nur lückenhaft zu erhalten. Weiterhin floss in die Bewertung ein, ob die Unternehmen ihren Kunden attraktive Stromsparmodelle offerieren und diese in ihre Marketingaktivitäten einbinden. Beim sogenannten Contracting finanziert das Unternehmen zum Beispiel die Modernisierung von Heizungen oder Elektrogeräten, die der Endverbraucher über einen vorher festgelegten Tarif nach und nach abzahlt. Zurzeit bieten nur wenige Unternehmen Contracting an, darunter Bewag (DE), Verbund (AT), EVN (AT), Powergen (GB) sowie Scottish and Southern Energy (GB). Die Sozialleistungen für Mitarbeiter in der gesamten Branche sind tendenziell überdurchschnittlich. TransAlta (CA), Centrica und Westcoast Energy konnten sich im Sozialrating auf den vordersten Rängen platzieren, alle mit der Bewertung B-.

Folgende 19 Unternehmen haben am Corporate Responsibility Rating teilgenommen: Verbund (AT), Westcoast Energy (CA), Powergen (UK), TransAlta (CA), Australian Gas Light (AU), Bewag (DE), Cemig (BR), Centrica (UK), Tokyo Gas (JP), RWE (DE), Enron (US), EVN (AT), Italgas (IT), Scottish Power (UK), Enel (IT), Scottish and Southern Energy (UK), Gas Natual (ES), UtiliCorp United (US), E.ON (DE). Keine Auskunft gab ein Unternehmen: Nicor (US).