Stromerzeugung

Öko-Tarife in Sachsen-Anhalt wenig verbreitet

Der Strom der Stadtwerke in Magdeburg und Halberstadt weist in Sachsen-Anhalt den größten Atomstrom-Anteil auf. Strom aus erneuerbaren Quellen ist in dem Bundesland kaum gefragt, was wahrscheinlich auch an den vergleichsweise hohen Preisen liege. So sei Ökostrom teilweise fast fünf Prozent teurer als der Normaltarif.

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Magdeburg (ddp-lsa/sm) - Nach ddp-Recherchen bei den kommunalen Energieversorgern Sachsen-Anhalts lagen die Landeshauptstadt und die Halberstadtwerke GmbH mit Anteilen von 32,65 und 32,8 Prozent klar über dem Bundesdurchschnitt von 28,9 Prozent. In Dessau und Stendal wurde der Atomstrom-Anteil mit nur vier und fünf Prozent angegeben. Strom der Energieversorgung Halle stammt laut EVH zu 12,4 Prozent aus Kernkraftwerken, in Wittenberg sind es bereits 21 und in Schönebeck 25 Prozent.

Cornelia Kolberg, Sprecherin der Städtischen Werke Magdeburg (SWM), erklärte dies mit dem Strom-Bezug vom Vorversorger E.ON Avacon. Auch weise die gesetzliche Strom-Kennzeichnung derzeit noch die Werte von 2005 aus. Für die Folgejahre rechne man mit weniger Atomstrom, weil die Einkäufe breiter gestreut würden. Auch werde überlegt, SWM-Strom mit Ökostrom-Zertifikaten weiter zu "vergrünen", sagte Kolberg. Derweil ist Halles Öko-Bilanz auch bei den Kohlendioxid-Emissionen besser.

Trotz eines 74,7-Prozent-Anteils fossiler Energie-Quellen liegt der CO2-Ausstoß der EVH bei nur 295 Gramm pro Kilowattstunde. Während die meisten Versorger im Land mit 350 bis 400 Gramm pro Kilowattstunde weit unter dem Bundesdurchschnitt von 514 Gramm pro Kilowattstunde liegen, kommen die SWM mit 436 Gramm pro Kilowattstunde diesem am nächsten, trotzdem ihr Anteil an fossiler Energie mit 54,86 Prozent den Bundesschnitt von 60 Prozent klar unterbietet.

Halle hat bessere Werte durch Erdgas-Kraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung. Auch in Stendal mit CO2-Ausstößen von nur 355 Gramm pro Kilowattstunde und Anteilen fossiler Energie von sogar 85 Prozent verweist Stadtwerke-Sprecher Rolf Gille darauf, dass 95 Prozent der Energie aus dem kommunal betriebenen Vattenfall-Kraftwerk vor Ort kommen. Bei erneuerbaren Energien haben Wittenbergs Stadtwerke mit 16 Prozent die Nase vorn, während die übrigen im Land im deutschen Durchschnitt von 11 und etwa 14 Prozent liegen.

Strom aus erneuerbaren Energien teurer

Purer Öko-Strom ist indes kaum verbreitet. Kolberg und EVH-Sprecherin Ute Brockhaus nannten die Nachfrage in Magdeburg und Halle "konstant", ohne genauer zu werden, während Uli Scholz von den Stadtwerken in Schönebeck sie als "schwach" bezeichnete. Allerdings ist der Öko-Strom in Schönebeck auch fast fünf Cent pro Kilowattstunde teurer. Öko-Tarife bieten aus erneuerbaren Quellen und ohne CO2-Emission gewonnenen Strom, der per Nachweiszertifikat in Höhe des Verbrauchs zugekauft wird. In Halle kommt er aus dem Wasserkraftwerk Tyin in Norwegen und kostet 1,85 Cent pro Kilowattstunde mehr. Dagegen ist der ebenfalls vor allem aus Wasserkraft gemachte Strom der Düsseldorfer Naturstrom AG bei den SWM in Magdeburg mit 4,11 Cent pro Kilowattstunde deutlich teurer.

Christian Mattke von der Dessauer Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft bedauerte die schleppende Ökostrom-Nutzung, verteidigte aber höhere Preise auch als Qualitätsmerkmal. Das bisherige Solar-Produkt der DVV solle nun jedoch durch eins mit Wasserkraft ersetzt und attraktiver werden. Keine Öko-Tarife haben Wittenberg und Stendal, wo Stadtwerke-Sprecher Gille auch kaum ein Interesse daran sieht. Er jedoch kämpft darum, denn "auch die fünf oder zehn Anfragen würde ich gern befriedigen".