Klarstellung

Öko-Institut ruft zu mehr Sachlichkeit bei Ökostromdebatte auf

Die teils hefitige Kritik an der Verwendung von Ökostromzertifikaten wie RECS durch Stromanbieter sieht das Institut als wenig förderlich an. Das eigentliche Problem sei: "Echter" Ökostrom müsse zum Ausbau erneuerbarer Energien beitragen.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Freiburg (red) - Seit einigen Tagen wird in den Medien eine intensive Debatte zum Thema Ökostrom geführt. "Entscheidend für die Bewertung von Ökostrom-Angeboten ist, ob sie den Anteil an Strom aus erneuerbarer Energien und umweltfreundlicher Kraft-Wärme-Kopplung an der Stromerzeugung tatsächlich erhöhen", so Veit Bürger vom Öko-Institut. Andere Produkte, bei denen Kunden lediglich aus bereits bestehenden Anlagen beliefert werden, hätten dagegen keinen Nutzen für die Umwelt.

Um den Verbrauchern im Strommarkt eine Orientierung bei der Wahl eines Ökostrom-Angebots zu geben, hat das Öko-Institut zusammen mit dem WWF Deutschland und der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen im Jahr 2001 das Gütesiegel "ok-power" entwickelt. Derzeit sind 16 Produkte von 13 Anbietern mit diesem Label ausgezeichnet. Sie alle trügen zum Ausbau der erneuerbare Energien bei.

Als eher "symbolischen Akt" sieht das Öko-Institut hingegen die Tatsache, dass mehrere deutsche Stadtwerke in den letzten Monaten wesentliche Teile ihrer Stromversorgung auf erneuerbare Energien umgestellt haben. Dies sei zwar als Bekenntnis für erneuerbare Energien und gegen Atomkraft und Kohlekraftwerke zu bewerten, doch aus Kostengründen basiere die Strombeschaffung jedoch in der Regel auf bereits existierenden Anlagen. Ein Ausbau der erneuerbaren Energien ist damit derzeit nicht verbunden. Er würde erst dann stattfinden, wenn die Ökostrom-Nachfrage das Angebot auf europäischer Ebene übersteigt.

Generell plädiert das Institut für mehr Sachlichkeit in der Debatte. Die heftige Kritik, die an der Verwendung von Ökostromzertifikaten wie RECS durch Stromanbieter geübt wird, entbehre einer sachlichen Grundlage. Diese Zertifikate stellen zuverlässige Herkunftsnachweise für Strom aus erneuerbaren Energien dar und tragen wesentlich dazu bei, eine Doppelvermarktung von Ökostrom zu verhindern. Die von verschiedenen Seiten aufgestellte Behauptung, dass Ökostrom auf Basis von Zertifikaten generell keinen Nutzen für die Umwelt darstelle, sei schlichtweg falsch. Es komme darauf an, aus welchen Anlagen der Stromanbieter die Zertifikate erwirbt.

Auch der Vorwurf, dass Stromversorger durch die Zertifikate ihren Atom- oder Kohlestrom in unzulässiger Weise in Ökostrom umetikettieren würden, träfe nicht zu. Wenn zum Beispiel ein deutsches Stadtwerk Zertifikate aus dem Ausland importiert, so entspricht dies in seiner Wirkung der bisher üblichen Praxis des Austauschs von Strom. Dabei importiert das Stadtwerk Wasserkraftstrom und exportiert gleichzeitig Strom aus Kohle- oder Atomkraftwerken, der dann im Partnerland mit diesen Merkmalen gekennzeichnet werden muss. Dieser Vorgang ist nach den national und international gültigen Regeln für die Stromkennzeichnung zulässig und wäre auch ohne die Nutzung von Zertifikaten möglich. "Entscheidend für die ökologische Bewertung ist wiederum, ob beim Bezug der Zertifikate auf die Förderung von neuen Kraftwerken aus Erneuerbaren Energien geachtet wird", sagt Veit Bürger.

Aufgrund der größeren Zuverlässigkeit und Transparenz empfiehlt das Öko-Institut der Stromwirtschaft die Verwendung von Zertifikaten des europaweiten European Energy Certificate System (EECS), das derzeit das RECS-System ablöst, als Herkunftsnachweise für Ökostrom. Dies gelte sowohl innerhalb Deutschlands wie auch im grenzüberschreitenden Handel von Strom. Die Verwendung von EU-weit harmonisierten Herkunftsnachweisen trage dazu bei, dass Ökostrom-Kunden besser als bisher vor Doppelvermarktung geschützt werden.