NWS: Positiver Jahresabschluss

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"Es handelt sich heute um keine gewöhnliche Hauptversammlung, denn wir schreiben ein großes Stück Geschichte in der Unternehmenstradition." Mit diesen Worten begann Günter Scheck, der Vorstandsvorsitzende der Neckarwerke Stuttgart AG (NWS), seine Ausführungen auf der Hauptversammlung des Unternehmens. Mit der vorgeschlagenen engen Kooperation zwischen den NWS und der EnBW Energie Baden-Württemberg AG stießen zwei traditionsreiche und erfolgreiche Energieversorgungsunternehmen in eine neue Dimension vor - zum Nutzen von Kunden, Aktionären und Mitarbeitern.


Die Wettbewerbssituation beim Strom sei durch eine Stabilisierung auf deutlich abgesenktem Preisniveau gekennzeichnet. Die Marktsicherungsstrategie der NWS sei insgesamt als erfolgreich zu bezeichnen. Besonders bei den Industriekunden habe die Neuakquisition den Wechsel zu anderen Anbietern mehr als kompensiert. Die Energiehandelsgesellschaft habe sich im Strommarkt gut positioniert. Für 1999 sei ein insgesamt positiver Jahresabschluss aufzuweisen, weil es trotz schwieriger Rahmenbedingungen gelungen sei, durch Effizienzsteigerungen und striktes Kostenmanagement ein besseres Ergebnis als im Vorjahr auszuweisen. Die NWS hat einen Bilanzgewinn von 84,5 Millionen DM erwirtschaftet, so dass mit 9 DM Dividende plus 1 DM Bonus je Stückaktie die dritte Dividendenerhöhung in Folge vorgeschlagen werden kann. Im Konzern verminderten sich die Umsatzerlöse um 412 Millionen DM. Der Rückgang betrifft überwiegend die Stromerlöse, die wettbewerbsbedingt 252 Mio. DM bzw. 10,9 Prozent unter dem Vorjahr lagen. Einen gewissen Ausgleich hat der Stromhandel erbracht, der mit dazu beitrug, dass sich der Stromabsatz um rund 5 Prozent erhöhte. Die Zahl der Mitarbeiter lag mit 4.373 um 310 bzw. 6,6 Prozent unter dem Vorjahreswert; entsprechend verminderte sich der Personalaufwand um 48 Millionen DM. Die Steuern erhöhten sich um 302 Millionen DM, vor allem wegen der steuerpflichtigen Auflösung von Rückstellungen im Kernenergiebereich gemäß Steuerentlastungsgesetz. Erstmals wurden für 1999 eine Segmentberichterstattung und entsprechend den Unbundling-Vorschriften für Stromerzeugung, Stromverteilung und Sonstige Aktivitäten getrennte Bilanzen und Erfolgsrechnungen erstellt. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hat den Jahresabschluss 1999 mit uneingeschränktem Bestätigungsvermerk testiert; Prüfbericht und Testat entsprechen den erstmals verbindlichen Vorschriften des Gesetzes zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG).


Für das Jahr 2000 gehen die NWS von einem Rückgang der Umsatzerlöse um rund 270 Millionen DM aus; er resultiert vor allem aus geringeren Stromumsätzen in Folge der im 2. Halbjahr 1999 durchgeführten Preissenkungen. Die Stromabgabe konnte im 1. Halbjahr 2000 vor allem wegen des größeren Stromhandelsvolumens um 19,6 Prozent deutlich gesteigert werden.


Trotz unterschiedlicher Haltung zur Kernenergie respektierten die Energieversorger die Entscheidung der Bundesregierung, die Stromerzeugung aus Kernenergie geordnet zu beenden. Sie haben eine Vereinbarung ausgehandelt, die die Laufzeit der Kernkraftwerke über noch zu erzeugende Reststrommengen befristet und ungestörten Betrieb und Entsorgung gewährleistet. Als Strommenge zugrundegelegt wurden für das Gemeinschaftskernkraftwerk Neckar 57 Milliarden kWh bei Block I und 236 Milliarden kWh bei Block II und für das Kernkraftwerk Obrigheim 9 Milliarden kWh, wobei grundsätzlich die Möglichkeit zur Übertragung von Strommengen besteht. Die Vereinbarung soll durch eine Novelle zum Atomgesetz umgesetzt werden. Durch die Übertragung von Strommengen ist die notwendige Flexibilität gegeben. Zum Schutz ihrer Investitionen sehen auch die NWS zu dieser Vereinbarung keine Alternative.


Zum bedeutendsten Punkt der Tagesordnung, der Kooperation zwischen EnBW und NWS, erläuterte der Vorstandsvorsitzende Günter Scheck ausführlich die wirtschaftlichen und rechtlichen Eckpunkte. Die NWS haben bislang stets die Strategie verfolgt, auf die Entwicklung im liberalisierten Strommarkt nicht nur zu reagieren, sondern sie aktiv mitzugestalten. Sie müssen und wollen in einem Markt, in dem Wachstum nur durch Verdrängung möglich ist und in dem gegenwärtig ein massiver Konzentrationsprozess stattfindet, ihre Struktur stärken und Synergiepotentiale ausschöpfen. Dies kann nur durch eine strategische Partnerschaft mit der EnBW erreicht werden. Die Kernaktivitäten grenzen örtlich unmittelbar aneinander, die EnBW ist bisher schon mit einer Beteiligung von 25,7 Prozent einer der drei maßgeblichen NWS-Aktionäre und die operativen Aktivitäten passen sehr gut zueinander. NWS und EnBW sichern damit ihre führende Position im deutschen Südwesten und gleichzeitig ihre starke Stellung auf dem deutschen Markt. Das zur Zustimmung vorgelegte Vertragswerk haben die Vertragsparteien am 20. Juli 2000 unterzeichnet. Das Bundeskartellamt hat die Freigabe am 17. Juli 2000 erteilt.


Der vorgeschlagenen Verwendung des Bilanzgewinns stimmte die Hauptversammlung mit nur wenigen Gegenstimmen zu. Vorstand und Aufsichtsrat wurden mit großer Mehrheit entlastet. Die Gegenanträge wurden abgelehnt. Zum Abschlussprüfer für das Geschäftsjahr 2000 wurde erneut die KPMG Deutsche Treuhand-Gesellschaft AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Stuttgart, gewählt. Dem Vertragswerk zur Kooperation mit der EnBW - Beherrschungsvertrag, Kooperationsvertrag, Vereinbarung zur Sicherung der Arbeitsplätze und der Standorte, Vereinbarung über vertrauensbildende Maßnahmen - stimmte die Hauptversammlung mit großer Mehrheit zu. Anstelle des Aufsichtsratsmitglieds Dr. Joachim-Heinrich Stamer wählte die Versammlung Gerhard Goll, Vorsitzender des Vorstands der EnBW, in den Aufsichtsrat.