"Geheimniskrämerei"

Nukleartechnik-Firma soll Plutonium gelagert haben

Die Braunschweiger Nukleartechnik-Firma Eckert & Ziegler könnte große Mengen an Plutonium gelagert haben. Aus jetzt vorliegenden Unterlagen gehe hervor, dass der Firma noch bis 2013 die Genehmigung für die Lagerung von Plutonium-Strahlenquellen vorliege, so die Grünen. Die Firma habe große Mengen atomwaffenfähiges Plutonium aufbewahrt, umgepackt und abtransportiert.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Braunschweig (dapd/red) - "Offenbar wurde jahrelang Atombombenmaterial hinter einem einfachen Maschendrahtzaun deponiert", sagte die stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Gabriele Heinen-Kljajic. Die Grünen im niedersächsischen Landtag wollen nun vollständige Auskunft über die bei der Firma gelagerten radioaktiven Stoffe. Seit 1998 könne das Unternehmen Material in einem Umfang umgeschlagen haben, das theoretisch für den Bau von bis zu fünf Atombomben reiche.

Grünen-Politikerin spricht von "Geheimniskrämerei"

Sie warf der Landesregierung gleichzeitig "Geheimniskrämerei" vor. In ihrer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen habe die Regierung die Auskunft darüber verweigert, in welchem Umfang Transurane und andere radioaktive Stoffe bei Eckert & Ziegler gelagert würden.

Das Umweltministerium in Hannover habe Eckert & Ziegler Ende der neunziger Jahre das Umpacken von 250 Neutronenstrahlern aus Beständen der DDR in einer sogenannten heißen Zelle erlaubt, erklärte die Grünen-Politikerin. Bis zu 30 Kilogramm waffenfähiges Plutonium hätten der Genehmigung zufolge nach Braunschweig transportiert und dort für die Verschiffung in die USA neu verpackt werden sollen.

Nach den ihr vorliegenden Unterlagen seien seit 1999 insgesamt 140 dieser Strahlenquellen in vier Transporten in die USA gebracht worden. Lediglich eine Strahlenquelle aus diesen Altbeständen solle immer noch in Braunschweig lagern.

Ausbau der Firma vom Stadtrat gestoppt

Ende Februar stoppte der Braunschweiger Stadtrat Pläne von Eckert & Ziegler, den Firmenstandort im Ortsteil Thune auszubauen. Das Kommunalparlament verhängte eine zweijährige Veränderungssperre für das Gelände. Kritiker hatten bemängelt, dass die Behandlung von Atommüll am Rande eines Wohngebietes erfolge und Strahlenwerte nicht korrekt gemessen worden seien. Eckert & Ziegler hat Interesse an der Behandlung der aus dem Atommülllager Asse zu bergenden Abfälle bekundet. Das Umweltministerium in Hannover lehnte das Angebot jedoch ab.